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Sa vie son oeuvre

Otto, le roi oublié…

Freuen sich über die zahlreichen Exponate aus dem Hause der Wittelsbacher (v. li.): Psychiatrie-Professor Dr. Hans Förstl, Kurator Alfons Schweiggert, Sammler Jean Louis Schlim, Bezirksrat Jan Murken und Kreisheimatpfleger Norbert Göttler. Förstl wird im Juni auch einen Vortrag über die Krankheit von Otto I. halten. Foto: Pröhl
Freuen sich über die zahlreichen Exponate aus dem Hause der Wittelsbacher (v. li.): Psychiatrie-Professor Dr. Hans Förstl, Kurator Alfons Schweiggert, Sammler Jean Louis Schlim, Bezirksrat Jan Murken und Kreisheimatpfleger Norbert Göttler. Förstl wird im Juni auch einen Vortrag über die Krankheit von Otto I. halten.

KLOSTER BENEDIKTBEUERN

Der vergessene König

Benediktbeuern – Im Kloster Benediktbeuern ist seit Pfingsten eine große Ausstellung über König Otto I. zu sehen, den geisteskranken Bruder von „Märchenkönig“ Ludwig II. Thematisiert wird ein besonderes Kapitel in der bayerischen Geschichte.

„Es ist eine der ersten Ausstellungen mit so großem Umfang. „Vielleicht ist es sogar eine Welturausstellung“, sagte Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler selbstbewusst bei der Vernissage. „Aber eine Forschungsnische zu besetzen, ist für uns selbstverständlich.“ Die Ausstellung ist in den Räumen der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern im Maierhof des Klosters zu sehen. Konzipiert wurde sie von Alfons Schweiggert, Historiker und Präsidiumsmitglied der Münchner Turmschreiber-Vereinigung. Er hat vor Kurzem ein Buch über Otto I. (1848 – 1916) herausgegeben (wir berichteten).

Otto I. war 30 Jahre lang König von Bayern und damit länger als jeder andere. Er wurde 1886 zum König proklamiert, wenige Tage, nachdem sein Bruder Ludwig II. im Starnberger See ertrunken war. Doch er war ein König, der praktisch nie König war. Denn aufgrund seiner Geisteskrankheit wurde er sofort wieder entmündigt. Bereits bei der „Thronbesteigung“ war er schon drei Jahre lang auf Schloss Fürstenried interniert. Otto I. galt als Schattenkönig. Sein Bild hing in den Amtsstuben, doch die Regentschaft hatte sein Onkel Luitpold inne.

„Otto wurde einfach vergessen“

Otto bekommt bis heute in der bayerischen Geschichte keine besondere Aufmerksamkeit. „Otto wurde einfach vergessen“, sagte Schweiggert bei der Eröffnung. Auch weite Teile der Bevölkerung sahen ihn erstmals, als sein Sarg im Oktober 1916 aufgebahrt wurde. Und selbst heute wird er oft mit seinem Onkel, König Otto von Griechenland (1815-1867), verwechselt.

In der Ausstellung kann man sich nun ein umfangreiches Bild von Otto machen. Auf mehr als 70 Bildtafeln werden das private und politische Leben, die Stadien seiner Erkrankung sowie damit einhergehend die Entwicklung der Psychiatrie in Bayern dargestellt. Denn es geht zweifelsohne auf Otto zurück, dass die Entwicklung dieser damals noch jungen medizinischen Forschungsrichtung in München Aufschwung nahm. Schweiggert lässt auch verschiedene Mediziner zu Wort kommen, die Ottos Krankheit nach heutigem Wissen beurteilen. Es sei anzunehmen, dass der König schizophren war, so Prof. Dr. Hans Förstl aus München. Als Ursache für die Krankheit erbbiologische Zusammenhänge zu vermuten, sei jedoch retrospektiv sehr schwierig, so sein Heidelberger Berufskollege Heinz Häfner. Im Hause Wittelsbacher gab es im Laufe der Jahrhunderte mehrere auffällige Persönlichkeiten. Oft wurden die Kinder mit nahverwandten Personen verheiratet.

Wer die Ausstellung besucht, sollte Zeit mitbringen. Sie ist recht textlastig. „Aber das ist der Stil Schweiggerts, und der Erfolg gibt ihm Recht“, sagte Bezirksheimatpfleger Göttler schmunzelnd. Schweiggert hatte vor zwei Jahren in Benediktbeuern die Lebensgeschichte von Bernhard von Gudden dargestellt – dem Leib- und Hofarzt der Wittelsbacher, der 1886 mit Ludwig II. im Starnberger See ertrank. Diese Schau weckte bayernweit großes Interesse und wurde anschließend in verschiedenen Orten gezeigt.

Raritäten in der Vitrine

Was die neue Ausstellung so besonders macht, sind freilich auch die Stücke in den Vitrinen. Und hier gibt es einige Raritäten zu bewundern, die sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind – zum Beispiel Familienfotos aus dem Album von seiner Mutter, Königin Marie; Ottos Schreibmappe, Tassen und Münzen. Das „Herzstück“ sind sein Hausmantel, sein Spazierstock (auf dem man noch die Dellen sieht, die aus seinen Tobsuchtsanfällen resultierten), ein Hausaltar und ein Brillenetui aus Elfenbein.

„Vieles wurde nach Ottos Tod einfach verschenkt. Man erkannte nicht den Wert“, sagt Schweiggert, der für die Ausstellung zahlreiche Leihgaben aus Privatbesitz erhielt, etwa von Jean Louis Schlim, Norbert Rutzki und Sepp Schleicher aus Deining. Schleicher besitzt eine Schwanenbrosche, die Otto Weihnachten 1874 seiner Mutter Marie schenkte. In dem Kästchen liegt noch ein handgeschriebener Zettel von ihr. Die Besucher sehen auch – ebenfalls selten ausgestellt – handgeschriebene Briefe von Otto. Wer sich für bayerische Geschichte interessiert, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen. Es gibt begleitende Vorträge, und es können auch Sonderöffnungszeiten vereinbart werden.

Weitere Infos

Die Ausstellung läuft bis zum 12. Juli in der Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters. Sie ist dienstags und samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 16 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. Info-Telefon: 0 88 57/8 88 50. Schweiggerts Buch trägt den Titel „Bayerns unglücklichster König“ und ist im Buchhandel erhältlich (Verlag St. Michaelsbund, 19,90 Euro).

2 réponses à Otto, le roi oublié…

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