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Sa vie son oeuvre

Otto, le roi oublié !

Monarch ohne Macht

Bayerns vergessener König Otto I.

Zum 100. Todestag König Ottos I. von Bayern, am 11. Oktober, erinnert Michael Zametzer an den vergessenen Monarchen, dessen bedrückende Biographie auch ein Licht auf das Leben am Hof der Wittelsbacher, und auf die Anfänge der Psychiatrie im späten 19. Jahrhundert wirft.

Von: Michael Zametzer

Stand: 09.10.2016 |Bildnachweis

Otto Wilhelm Luitpold Adalbert Waldemar, Sohn König Maximilians II. und der Königin Marie von Preußen, kam in stürmischen Zeiten zur Welt. Im Revolutionsjahr 1848. In Berlin stand Richard Wagner auf den Barrikaden, in Frankfurt trat die Paulskirchenversammlung zusammen, die Habsburger flohen vor den Aufständischen von Wien nach Mähren – und in München? In München stürzte Großpapa Ludwig I. über die skandalös zur Schau gestellten Beine der irischen Tänzerin Lola Montez. Der König und das Showgirl – die Münchner Bürgerschaft revoltierte.

« Und somit ist zu erklären, daß die gute Königin Mutter mitten in den ganzen Wirren aus dieser Angst heraus plötzlich zu früh ihr Kind geboren hat und diese ganzen Ängste, die sie erlebt hat, dann auf ihren Sohn Otto übertragen hat. »

(Jean Louis Schlim, Sammler und Autor)

Die eiserne Hand des Vaters Max II.

König Maximilian II. von Bayern | Bild: picture-alliance/dpa / Quagga Illustrations

König Maximilian II. von Bayern

Otto hatte eigentlich alle Anlagen zum bewunderten, umschwärmten König: Stattdessen siechte er, der jüngere Bruder von Ludwig II., die Hälfte seines Lebens dahin: Geistig umnachtet, von Halluzinationen gequält. Weggesperrt auf Schloss Fürstenried, vor den Toren Münchens.

Sein Vater, König Max II., hatte auf die Erziehung mit dem Rohrstock gesetzt, ganz nach den Methoden der Zeit. Er, der selbst zu seinem Vater Ludwig I. alles andere als eine innige Beziehung hatte aufbauen können, vergrämte seine Kinder durch seine eiserne Hand: Härte, Sparsamkeit, Fleiß, Gehorsam und vor allem eine geradezu bigotte Frömmigkeit – das waren seine Werte.

« Wir haben vor unserem Vater gezittert! » Soll Ludwig, der Kronprinz, später einmal gesagt haben.

Onkel Luitpold übernahm die Regierungsgeschäfte

Nach dem tragischen Tod seines Bruders, König Ludwig II., führte Otto drei Jahrzehnte lang den Titel « König von Bayern », länger als alle andern bayerischen Monarchen. Dabei hat er keinen Tag die Amtsgeschäfte geführt, nie richtig regiert. Der greise Onkel Luitpold übernahm diese Aufgabe als Prinzregent und prägte eine ganze Epoche.

Luitpold, Prinzregent von Bayern, Sohn König Ludwigs I., ab 1886 Regent für seinen geisteskranken Neffen Ludwig II. und Otto I. | Bild: picture alliance/akg-images

Prinzregent Luitpold von Bayern

« solange Otto gelebt hat, hat Luitpold sich gescheut, hier auch nur annähernd den Eindruck zu erwecken, er wollte den Thron erben. Er hat sich bei Thronreden immer neben den Thron hingestellt, als alter Mann, steht der dann diese Lange Thronrede durch und steht da neben dem Thron wie ein Schuljunge, das heißt er hatte dadurch natürlich auch bei der Öffentlichkeit wieder Sympathie gewonnen, das muss man sagen. Und so ist eben Otto König geworden und gleichzeitig für Ludwig II. tätig geworden, nämlich als Schuldentilger, unfreiwillig. Er wollte das vielleicht nicht, aber er konnte ja da nicht mehr reagieren, und hat dann auch noch die Schulden seines Bruders übernommen. »

(Alfons Schweiggert, Autor)

Dabei hatte Ottos Leben so vielversprechend und hoffnungsvoll begonnen: Zeitzeugen beschreiben ihn als äußerst liebenswürdiges Kind. Einfühlsam, fantasievoll, in unverbrüchlicher Treue zu seinem älteren Bruder Ludwig. Und dennoch waren die Schatten, die sich zunehmend über seinen Geist legen sollten, schon früh zu sehen.

« Er war unbewusst liebenswürdig, nicht berechnend, nicht gesucht, sondern gerade durch seine bescheidene Liebenswürdigkeit äußerst gewinnend. Zu dieser liebenswürdigen Bescheidenheit gesellte sich eine Einfachheit und Natürlichkeit, die anziehen musste. Offen und gerade in seinem Wesen war er unterschütterlich fest, wenn es galt, seine Überzeugung zu vertreten. Dazu beseelte ihn eine seltene Güte, ein seltenes Wohlwollen für die Menschheit, welche mich an die meines Vaters gemahnte. All diese edlen Charakterzüge zogen mich an und im Umgang mit ihm fühlte ich mich gehoben, fühlte ich mich, ein besserer Mensch zu werden. »

(Prinzessin Therese von Bayern, Ottos Cousine und Tochter des Prinzregenten Luitpold)

Der Autor Alfons Schweiggert | Bild: picture-alliance/dpa / Peter Kneffel

Alfons Schweiggert

« Nach seinem Tod ist tatsächlich der Schleier des Vergessens über ihn gesenkt worden, und auch in den Biografien über Ludwig II. sind eben nur die Nebensätze: Er hatte einen kranken Bruder und dann wird gleich Fürstenried genannt, wo er dann interniert war, bis zu seinem Tod. Aber es wird nicht die Beziehung zu seinem Bruder Ludwig und auch die Situation, die er, obwohl krank, für die bayerische Politik auch mit ins Spiel gebracht hat, die bleibt unerwähnt. Das ist natürlich schade und darf nicht sein. »

(Alfons Schweiggert, Autor)

Buchtipps:

Bayerns unglücklichster König. Otto I., der Bruder Ludwigs II.

  • Autor: Alfons Schweiggert
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Verlag Sankt Michaelsbund (21. September 2015)
  • ISBN-10: 3943135667
  • ISBN-13: 978-3943135664

Im Schatten der Macht –: König Otto I. von Bayern

  • Autor: Jean Louis Schlim
  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: August Dreesbach Verlag; Auflage: 1 (11. Oktober 2016)
  • ISBN-10: 3944334809
  • ISBN-13: 978-3944334806

Source : http://www.br.de/radio/bayern2/bayern/land-und-leute/koenig-otto-1-von-bayern-zum-100ten-todestag-zametzer100.html