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Sa vie son oeuvre

Neuschwanstein : quand la sculpture ressuscite le rêve du roi

Steine klopfen bis der Scheich kommt

Der Extrem-Steinschnitzer Thomas Doneis baut das Schloss Neuschwanstein aus einem 21-Tonnen-Sandsteinblock – für rund 1,5 Millionen will er es verkaufen

Thomas Doneis mit Schloss Neuschwanstein

Sein „Lebensprojekt“: Thomas Doneis mit dem Schloss Neuschwanstein. Foto: Julius Busse

Türkisblaues Wasser, ein Berg, voll bewachsen mit Tannen. Mittendrin erhebt sich ein anmutiges Schloss, dass schöner ist, als in jedem Disney-Film. Es ist das Schloss Neuschwanstein, erbaut von „Märchenkönig“ Ludwig II. von Bayern. Das Schloss ist eines der weltweit bekanntesten Besuchermagneten in Deutschland und wird vor allem von US-amerikanischen und asiatischen Reisegruppen stark frequentiert. 2019, zum 150. Jubiläum, soll das Schloss in Füssen im Ostallgäu enthüllt werden. Der Braunschweiger Steinschnitzer Thomas Doneis (49) begann vor zwei Jahren sein „Lebensprojekt“: Aus einem einzigen, riesigen, 21 Tonnen schweren Block Sandstein will er das Schloss detailgetreu im Maßstab 1:62 nachmeißeln. Das Werk soll nach Fertigstellung für mindestens 1,5 Millionen Euro verkauft werden, womöglich an einen Scheich oder einen reichen Chinesen. Ein Drittel der Einnahmen will Doneis an sozial Bedürftige spenden. Im Gespräch erzählt er, von der Ursprungsidee, von seinem sozialen Engagement und von dem Druck des alltäglichen Schaffens.

Thomas, wie bist du darauf gekommen, ausgerechnet das Schloss Neuschwanstein aus Stein zu meißeln?
Angefangen hat es 2015 im April, als ich auf eine Edelstein-Messe in München eingeladen war. Da habe ich überlegt, was ich interessantes auf so einer Messe ausstellen könnte. Die Idee, das Schloss nachzubauen kam im Gespräch mit dem Veranstalter der Messe. Ich hatte ohnehin überlegt so eine Art Lebensprojekt zum Abschluss meiner Karriere zu machen, ein soziales Projekt. Da ist es schwierig irgendwas zu machen, was auch verkaufbar ist. Ich habe viele Skulpturen gemacht, aber noch nie so ein großes Projekt.

Bei Schloss Neuschwanstein habe ich mich dann erst Mal mit Zahlen beschäftigt: Wie bekannt ist das Schloss? Wie viele Besucher hat es jeden Monat? Gibt es Leute die eine Kopie davon kaufen würde? Ich selbst muss sagen, dass ich das Schloss vorher gar nicht kannte. Aber es hat sich herauskristallisiert, dass das Schloss mit 12.000 Besuchern am Tag und vielen Menschen aus dem Ausland, die einen Bezug dazu haben perfekt geeignet ist, um damit Geld für soziale Projekte zu bekommen.

Turm_Neuschwanstein_Doneis

So detailliert wie der Turm, soll später das ganze Millionenprojekt aussehen. Foto: Julius Busse

Warum ist dir das so wichtig, mit der Skulptur Geld für sozial Bedürftige zu verdienen?
Für mich ist es wichtig, dass man etwas macht im Leben, das anderen Menschen hilft. Ich will als Künstler nichts machen nur für mein Ego, sondern auch für die Allgemeinheit. Deshalb will ich ein Drittel der Einnahmen spenden, auch wenn sich dann bei sagen wir 1,5 Millionen Euro die vier Jahre Arbeit kaum finanziell gelohnt haben.

An wen sollen die Spenden gehen? Hast du Kontakte zu Organisationen?
Die Spenden berechnen sich aus einem Drittel des Erlöses abzüglich der Materialkosten und den laufenden Kosten. Meine Vision ist, dass man sich dann mit der Gruppe „Kunst trifft Soziales“, die ich habe, zusammensetzt und mehrere einzelne Ziele heraussucht und das Geld dann eins zu eins überreicht. Wir wollen Organisationen vermeiden, weil ich nicht möchte, dass das Geld in der Verwaltung versickert. Deshalb geht es dann direkt, zum Beispiel an Kinder die chronisch krank sind, wo die Versicherung es nicht zahlt, an Schulen, an sozial schwache Familien. Wenn ich zum Beispiel jemanden unterstützen, kann eine Lehre oder Ausbildung zu machen oder Obdachlose dadurch von der Straße weg kommen, wäre das sehr schön.

Schloss Neuschwanstein_Doneis_von links

Die Arbeiten an dem spektakulären Sandstein-Kunstwerk schreiten weiter voran. Foto: Julius Busse

Woher kommen deine potentiellen Käufer? Hast du schon Interessenten?
Interessenten habe ich noch nicht. Die Käufer kommen wohl eher aus dem Ausland. Ich war im Staatsministerium von München eingeladen. Potentielle Käufer sind eher Scheiche aus dem arabischen Raum, vielleicht Prinzen aus Thailand oder reiche Leute aus den USA und Japan und generell Asien. Da gibt es genügend Leute, die das sofort kaufen würden. Zur Zeit ist das Projekt noch nicht weit genug, um verkauft zu werden. Die Leute sehen bisher nur einen Steinblock, aber ich kann das Schloss schon vor mir sehen. Wenn 2019 das 150. Jubiläum des Schlosses gefeiert wird, hoffe ich, dass auch ein paar potentielle Mäzene vor Ort sein werden, das würde vieles leichter machen.

Wie bist du vorgegangen, als du das Schloss in Angriff genommen hast?
Angefangen hat es im Prinzip direkt nachdem ich mich für Neuschwanstein entschieden hatte. Da ging es darum zu entscheiden, wie groß die Miniatur überhaupt werden kann, welche Steine verfügbar sind und so weiter. Dann habe ich ein paar Skizzen gemacht, habe im Prinzip meine ganzen bisherigen Skulpturen zu Spottpreisen verscherbelt, um an Geld zu kommen. Ich habe mir ein Auto geliehen und bin losgefahren zum Schloss und nach München. Dann war ich bei der Schlösser- und Seenverwaltung von Bayern, habe vom Schloss Fotos gemacht und viel recherchiert. Da war ich drei Wochen unterwegs. Am Ende war ich im Steinbruch in Trier und habe Steine rausgesucht, die dafür geeignet sind. Der Eigentümer des Steinbruchs war von der Idee so begeistert, dass er mir den Stein gespendet hat. Es musste überhaupt erst mal ein Stein der richtigen Größe gefunden werden. Der wurde dann in Luxemburg zugeschnitten, weil das in Deutschland keiner kann. Das Logistik-Unternehmen Schenker hat den Stein dann zu mir gebracht. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Welche Probleme hast du?
Das ist ein Vollzeitjob. Bei mir gibt es keine Uhrzeiten. Ich muss gut drauf sein und mich konzentrieren können. Da sind die Arbeitszeiten sehr unterschiedlich. Das meißeln macht meinem Körper ziemlich zu schaffen: Da tut nicht nur der Rücken weh, man atmet ja auch den Staub ein und das Quarz kommt in die Augen, das ist im Prinzip wie feine Glassplitter. Eine Schutzbrille oder Staubmaske kann ich nicht tragen, weil die sofort beschlägt, das macht das Arbeiten unmöglich.

Momentan bin ich am Eingangsportal tätig, damit die Leute direkt von vorne sehen, wie es mal werden soll. Das ist eigentlich unüblich, weil man sonst alles Schritt für Schritt macht. Ich muss die Leute aber erst mal begeistern und das geht nur, wenn man sich vorstellen kann, was mal daraus wird. Wir sind außerdem ständig am Messen, mit einem Kollegen, weil wir noch etlichen überschüssigen Stein wegschneiden müssen. Ich arbeite für vier Jahre an dem Projekt, da ist es wichtig das meine Unterstützer auch am Ball bleiben. Nicht jeder hat die Ausdauer, die ich habe.

Doneis_Neuschwanstein_Frontal

Der Eingang des Schlosses ist als nächstes dran. Bei der Arbeit ist jeder kleine Fehler fatal. Foto: Julius Busse

Was ist die größte Herausforderung an dem Projekt?
Das schwierigste kommt erst noch. Wenn ich die Details an den Türmen und im Innenraum mache, dann muss ich im Prinzip über dem Stein schweben. Was aber das wirklich schwerste ist, ist die nervliche Belastung: Du darfst dir nie einen Fehler erlauben, weil das Schloss ja aus einem einzigen Stein besteht, wenn da etwas wegbricht, sinkt der Wert rapide. Außerdem hat man nie Feierabend, weil immer irgendwas im Hinterkopf herumgeistert auch wegen des Zeitfensters. König Ludwig II., den Erbauer des Schlosses haben sie für Verrückt erklärt, vielleicht droht mir das auch (lacht).

Weißt du schon, was du machst, wenn du fertig bist?
Nach dem Projekt brauche ich erstmal eine lange Pause, um mich wieder zu erholen. Mein Wunsch ist es danach auch mal was für meine Seele und Familie zu tun, zum Beispiel angeln oder gemeinsam Zeit verbringen, die ich vorher nicht hatte.

Wenn ihr das Projekt weiter verfolgen wollt, folgt Thomas auf seiner Facebook-Seite. Der Link ist hier

Schloss_Neuschwanstein_Zeppelubil

Das echte Schloss Neuschwanstein im südlichen Bayern, gebaut wurde es 1869 für König Ludwig II. Foto: Zeppelinlubil

Source : http://szene38.de/magazin/steine-klopfen-bis-der-scheich-kommt-schloss-neuschwanstein-miniatur/