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Sa vie son oeuvre

Louis II et la technique : un roi visionnaire

BAYERN

KÖNIG LUDWIG II.

Der Märchenkönig war ein Technik-Freak

Von Ruth van Doornik | | Lesedauer: 8 Minuten
Gemälde 'Nächtliche Schlittenfahrt König Ludwigs II.', R. Wenig, um 1880, Inv.Nr.NyMar.G 126. Nymphenburg, Marstallmuseum
Die „Nächtliche Schlittenfahrt König Ludwigs II.“: Das Gefährt war technisch höchst innovativ: Die Krone war mit einer Glühbirne ausgestattet

Quelle: © Bayerische Schlösserverwaltung, Gunther Schmidt, München/© Bayerische Schlösserverwaltung

Die Bayerische Schlösserverwaltung hat gerade aufwendig den Prachtschlitten von Ludwig II. restauriert. Das elektrisch beleuchtete Gefährt war nicht das einzige Hightech-Spielzeug des Wittelsbachers.

Was haben James Bond und König Ludwig II. gemeinsam? Ihre Begeisterung für Luxusschlitten. Während der Agent im Auftrag der Queen aufgemotzte englische Sportwagen bevorzugt, bevorzugte der Wittelsbacher ein – für damalige Verhältnisse – hochtechnisiertes Multifunktionsfahrzeug:

Der Wagenkasten konnte je nach Wetter auf verschiedene Fahrgestelle gesetzt werden. Vom „Neuen Prachtschlitten“ auf Kufen wandelte er sich zum „Kleinen Galawagen“ auf Rädern. Außen zierte ihn vergoldetes Schnitzwerk im Stil des Neo-Rokoko. Innen war modernste Technik untergebracht. Mit einer Elektro-Batterie unterm Sitz konnten die Glaslaternen beleuchtet werden. Die Einstellung der Lichtstärke erfolgte mithilfe einer Drehscheibe, die ein Lakai bediente, der hinter dem Wagenkasten saß.

Ludwigs Puttenschlitten aus dem Jahr 1885 war vermutlich das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug überhaupt. Die gläserne Krone des Gefährts war mit einer Glühbirne ausgestattet. „Das war wohl ein Grund, warum die Leute vom Märchenkönig geschwärmt haben“, vermutet Jean Louis Schlim. „Wenn die nächtliche Landschaft in gleißendes Licht getaucht wurde – war das für einen einfachen Bauern fast schon wie eine Erscheinung.“ Gerade wird das Gefährt, das 324.000 Mark kostete (im Jahr 1871 der Wert von rund 32 komplett ausgestatteten Gutshöfen) im Auftrag der Bayerischen Schlösserverwaltung restauriert.

Der Prachtschlitten zeugt für die andere Seite des „Märchenkönigs“. Der Monarch, dessen Todestag sich am Dienstag zum 131. Mal jährt, war nicht nur weltabgewandter Romantiker. „Ludwig II. war ein Technik-Freak und absolut ein Kind seiner Zeit“, sagt Jean Louis Schlim, Autor des Buches „Traum und Technik“, in dem er die Begeisterung des Königs (1845–1886) für technische Innovationenbeschreibt – wie folgende Beispiele zeigen:

Die Hightech-Burg

Deutschland 2017 beliebtestes Reiseziel
Technisch auf dem allerhöchsten Stand der damaligen Zeit: Schloss Neuschwanstein

Quelle: obs/ADAC SE/ADAC

Auf Neuschwanstein bei Füssen flüchtete sich der bayerische Monarch in die poetische Traumwelt des Mittelalters. Doch hinter der mittelalterlichen Fake-Burg verbarg sich Technik auf dem damals höchsten Entwicklungsstand – und größter Komfort. „Ludwig war stets auf dem neusten Stand, was aktuelle Entwicklungen anging. Er las die Polytechnischen Nachrichten in der „Leipziger Illustrierten Zeitung“. Da stand alles drin, was gerade innovativ war“, erklärt Schlim.

1867 besuchte der König die Pariser Weltausstellung. Häufig habe er die neusten Erfindungen zur Realisierung seiner eigenen Visionen genutzt. Beim Bau von Neuschwanstein ab 1869 wurden Dampfkräne und Lokomobile eingesetzt. „Aber nicht nur diese Maschinen sind als technische Neuerungen zu verzeichnen, viel interessanter sind die Einbauten im Bau selbst“, sagt Schlim. So ruht der Thronsaal auf eisernen Doppel-T-Trägern. Zur besseren Gewichtsverteilung wurden die Säulen des Saales nicht aus Stein, sondern aus gusseisernen Rohren hergestellt. Die Eisenkonstruktionen lassen sich noch heute in der Cafeteria des Schlosses besichtigen.

Thron mit Wasserspülung

Unter König Ludwig II. wurde in Bayern der erste Lehrstuhl für Hygiene eingerichtet. Seine Majestät selbst legte viel Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Unfrisiert trat er nicht einmal vor seine Dienerschaft. Auf Schloss Neuschwanstein gab es trotz der Höhenlage fließend Wasser für die Morgentoilette, in der Küche sogar heißes. „Das Wasser wurde aus einer Quelle in den Bergen gefangen, das dann durch den eigenen Druck im ganzen Schloss geflossen ist“, erklärt Jean Louis Schlim.

Außerdem, und das war zu dieser Zeit absolut neu, saß der König auf einer Toilette mit automatischer Spülung. „Die sah sogar wie ein echter Thron aus.“ Für die Spülung wurde auf dem Dach Regenwasser gesammelt. Normalsterbliche hatten zu dieser Zeit weniger edle Plumpsklos. „Erst 20 Jahre nach Ludwig II. gab es im Münchner Hotel ‚Marienbad‘ die ersten Wasserklosetts“, sagt der Experte.

Service per Knopfdruck

Schlofl Neuschwanstein, Vorzimmer (R.3), Elektrische Klingelanlage f¸r Dienstboten (Sonnerie)
Effektiv und innovativ: die elektrische Klingelanlage für Dienstboten auf Schloss Neuschwanstein

Quelle: Bayerische Schloesserverwaltung, Rainer Herrmann, Muenchen/Bayerische Schloesserverwaltung

Für Komfort sorgten auf Neuschwanstein noch weitere technische Raffinessen, die dem neuesten Stand des späten 19. Jahrhunderts entsprachen. Über eine batteriebetriebene Klingelanlage konnte Ludwig II. etwa seine Diener rufen. Wenn der König klingelte, sahen die Bediensteten an einer großen Tafel, wo er sich befand. „So wussten sie sofort, in welche Richtung sie beim Betreten eines großen Raumes ihren Diener machen mussten. Der König legte nämlich sehr viel Wert auf Etikette“, erklärt der Autor. Im dritten und vierten Obergeschoss gab es sogar Telefonanschlüsse – allerdings war mit ihnen mangels weiterer Leitungen allein das benachbarte Schloss Hohenschwangau zu erreichen.

Dinner for One

Herrenchiemsee, Neues Schloß, Speisezimmer (R.17), Blick nach Norden, Speisetisch (Tischlein-deck-dich) (Inv. M5 HCH), 1884-86
Das Speisezimmer von Schloss Herrenchiemsee. Der Tisch ließ sich um eine Etage absenken und konnte dort gedeckt werden

Quelle: © Bayerische Schlösserverwaltung, Rainer Herrmann/Ulrich Pfeuffer/Maria Scherf, München/© Bayerische Schlösserverwaltung

Der König liebte seine Privatsphäre. Ein versenkbarer Speisetisch, eine Art „Tischlein deck dich“, gestattete dem Monarchen in Schloss Herrenchiemsee wie auch in Linderhof die Mahlzeiten ohne die Anwesenheit von Bediensteten einzunehmen. Durch eine mechanisch betriebene Hubvorrichtung konnte der Esstisch mit einem Teil des Fußbodens um eine Etage abgesenkt und dort gedeckt werden.

Ludwig sah die Konstruktion bei seinem Besuch in Versailles“, sagt Schlim. Sie diente ursprünglich der Hofgesellschaft dazu, bei ihren amourösen Soupers unbeobachtet zu bleiben. Ludwig II. hingegen hatte kein Interesse an Frauen. „Ich glaube sogar, dass er Angst vor ihnen hatte“, so Schlim. Lieber unterhielt sich der Märchenkönig ungestört mit sich selbst oder seiner imaginären Hofgesellschaft. Ein Koch berichtet: „Er glaubt sich in der Gesellschaft Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. und deren Freundinnen, Madame Pompadour und Madame Maintenon. Er begrüßt sie sogar mitunter und führt mit ihnen Gespräche, als hätte er sie wirklich als Gäste bei Tisch.“

In der Küche stand übrigens ein Rumfordherd, der einen Spieß durch eigene Wärme in Bewegung setzte und somit seine Umdrehungen dem Grad der Hitze ständig anpasste. „Das hat bei Hühnchen so gut funktioniert, dass später noch ein größerer Herd für Spanferkel installiert wurde“, weiß Schlim.

Heizen mit Warmluft

Neuschwanstein sollte an eine Ritterburg erinnern. Doch statt prasselnder Kaminfeuer wurden die Zimmer mit vom Nebenraum zu befeuernden Kachelöfen beheizt. „Für die großen Räume wie den Thronsaal gab es eine perfekt ausgeklügelte „Calorifère-Heizung“, sagt Schlim. Dabei wurde ein Ofen im Heizungsraum befeuert und der heiße Rauch durch das Rauchrohr geleitet. Dies erhitzte sich und wärmte die im Raum befindliche Luft, die dann durch Luftkanäle in die Zimmer geleitet wurde. Dieses System gab es bereits in der Münchner Residenz, doch für Neuschwanstein wurde es perfektioniert. Um trockene Luft in den Räumen zu vermeiden, wurden in den Heizungsraum halbzylindrische Rohre eingebaut. Sie wurden mit Wasser gefüllt und befeuchteten so die Luft. Auch Schloss Herrenchiemsee besaß solch eine „Calorifère-Heizung“.

Das erste E-Werk

Künstlich angelegte Grotten gehörten zum wesentlichen Bestandteil fürstlicher Gärten. Die zehn Meter hohe Venusgrotte von Schloss Linderhof nahe der Gemeinde Ettal stellte jedoch alle in den Schatten. „In den künstlichen Stalaktitensäulen befanden sich Kachelöfen, die für angenehme Wärme sorgten“, sagt Schlim. Das Wasser des unterirdischen Sees, in dem der Monarch gelegentlich badete oder in seinem Muschelkahn sitzend sich der Lektüre hingab, konnte beheizt werden. Auch eine Wellenmaschine ließ der Monarch installieren.

Absolutes Novum war jedoch der Einbau einer für Bayern damals völlig neuen Elektrizitätstechnik zur Beleuchtung. „Bis zum Jahre 1881 wurden von der Firma Schuckert aus Nürnberg und der Firma Gramme aus Paris 24 Generatoren geliefert. In Linderhof entstand somit das erste Elektrizitätswerk Bayerns.“ Angetrieben wurden die Generatoren von einer Dampfmaschine. Jede der 24 Bogenlampen wurde von je einem Generator gespeist.

Farbe für die Blue Jeans

Schloß Linderhof, Venusgrotte mit Muschelkahn und Gemälde der Venusszene des Tannhäuser von A. Heckel, 1876/1877
Die Venusgrotte von Schloss Linderhof. Ludwig II. beharrte auf einem bestimmten Blauton für die Lichtstimmung. Und sorgte damit vermutlich auch für die spätere Färbung der Blue Jeans

Quelle: © Bayerische Schlösserverwaltung, L. Weiss, München/© Bayerische Schlösserverwaltung

Durch die Lichttechnik in der Grotte konnte sich Ludwig gedanklich sowohl in die rot beleuchtete Venusgrotte aus Wagners „Tannhäuser“ oder in die Blaue Grotte der Insel Capri hineinversetzen. Für seine Capri-Grotte wünschte er sich ein „blaueres Blau“ – was die Techniker schier verzweifeln ließ. Es wurde an speziell beschichteten Glasscheiben getüftelt. Doch lange gelang es nicht, die Vorstellungen des Königs zu erfüllen.

Irgendwann wurde bei der Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF) in Ludwigshafen am Rhein angefragt, ob sie nicht in der Lage wären, auf chemischer Basis so ein Blau herzustellen“, beschreibt Schlim. Ob es je gelang, Ludwig zufriedenzustellen, ist nicht bekannt. Vier Jahre nach Ludwigs Tod jedoch meldete BASF ein Patent zur Herstellung künstlichen Indigos an, eine Farbe, die später von den USA zur Färbung ihrer Segeltuchhosen bestellt wurde. „Also ohne den beharrlichen Wunsch des Königs gäbe es heute wohl keine Blue Jeans.“ Deren Vater Löb/Levi Strauss stammt auch aus Bayern, aus dem mittelfränkischen Buttenheim.

Glas-Architektur

Es muss ein fantastischer Anblick gewesen sein: der gigantische Wintergarten auf dem Dach der Münchner Residenz. Die Pariser Gewächshäuser waren Vorbild für den beinahe 70 Meter langen Glasbau König Ludwigs II., in dem Palmen und Bananenstauden wuchsen. Sogar ein See samt Wasserfall und Grotte wurde in der von der Maschinengesellschaft Nürnberg, Klett & Comp. (MAN) errichteten freitragenden Konstruktion untergebracht.

Unter der Beratung der Orientreisenden Robert und Hermann von Schlagintweit wurde das Innere des Glasbaus der Gegend am Fuße des Himalajas nachempfunden. Nur wenige bekamen das exotische Paradies, in dem Kolibris und Papageien flatterten und ein Bach floss, zu sehen. Zur Vervollkommnung der Landschaft wünschte sich der Regent auch eine Herde Gazellen und einen kleinen Elefanten – doch davon konnten ihn seine Berater abbringen.

Für Wärme im 1869 erbauten Wintergarten sorgte eine Zentralheizung. Eine Dampfmaschine pumpte das Wasser auf das Dachgeschoss der Residenz. Wenige Jahre nach Ludwigs Tod wurde der Bau aufgegeben. MAN kaufte den Wintergarten zurück und stellte ihn auf ihrem Werksgelände auf. Dort wurde er im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Der Traum vom Fliegen

Seine Technikbegeisterung trug letztlich mit zum Sturz des Königs bei. Ludwigs Idee eines Luftwagens in Pfauenform wurde als Beleg für seine Geisteskrankheit angeführt. Ludwig-Experte Schlim hält den Plan nicht für reine Spinnerei. „Er wollte wohl nur schneller von Hohenschwangau über den Alpsee zum gegenüberliegenden königlichen Badestrand in der Sperbersau kommen.“

Da eine Seilbahn nicht möglich war, da keine Stützen in den See gebaut werden konnten, griff er eine Idee auf, die er in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ entdeckt hatte. Er wollte eine Gondel an einen Ballon hängen und an einem Seil über den See schweben lassen. „Doch die unkalkulierbare Gefahr der Seitenwinde, die den Ballon in den See kippen oder gar mit seiner wertvollen Fracht wegfliegen lassen hätten können, machten ihm einen Strich durch die Rechnung.“

Source : https://www.welt.de/regionales/bayern/article165380194/Der-Maerchenkoenig-war-ein-Technik-Freak.html