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Sa vie son oeuvre

Les dernières Pâques de Louis II

Des « Kinis » letzte Ostern
23.03.16

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Füssen – Im Rahmen unserer historischen Serie berichtet der Füssener Historiker Magnus Peresson diesmal er über das letzte Osterfest Ludwigs II. Dabei wurde der König in Füssen und Pinswang gesehen.

Der französische Dichter Paul Verlaine feierte König Ludwig II. von Bayern in einem hymnischen Gedicht als den „letzten wahren König des Jahrhunderts“. Gemessen an anderen europäischen Regenten, deren Ehrgeiz oft nur darin lag, möglichst hohe Abschusszahlen von Rot-, Gams- und Schwarzwild zu erzielen, war der Bayernkönig eine Gestalt außer der Zeit.
Ludwig, am 25. August 1845, am Tag des heiligen König Ludwigs von Frankreich geboren, war das Kind einer kühlen, frömmelnden Mutter und eines strengen und wahrhaft bigotten Vaters. Der konnte anlässlich der legendären Kolloquien mit Wissenschaftlern der Münchener Universität durchaus darüber philosophieren, ob einem König im Jenseits wohl die gleiche Stellung zukomme wie im Diesseits.

Wärme und mütterliche Nähe fand der empfindsame Bub nur bei seiner Erzieherin Sibylle Meilhaus, einer klugen Frau, mit der er auch noch als regierender Monarch einen regen Briefwechsel pflegte. So berichtete er ihr im Sommer 1854, dass er die Fronleichnamsprozession in Füssen gesehen habe. Die Mutter, die als preußische Prinzessin evangelisch war, trat 1874 in der Kirche von Waltenhofen zum katholischen Glauben über. Sie pflegte aber schon zuvor freundschaftliche Beziehungen zu dem humorvollen Dekan von Breitenwang und später, wenn sie ihrem Sohn in Hohenschwangau ausweichen wollte und deshalb nach Elbigenalp ging, mit den dort amtierenden Geistlichen.

Das Licht auf Erden

Als Ludwig durch den überraschend eingetretenen Tod des Vaters im Alter von erst 18 Jahren König wurde, mag ihm das Bild der frommen Eltern und seine eigene Vorstellung von einem Königtum von Gottes Gnaden dazu bewogen haben, seine Regentschaft unter das Motto „Gottes Licht auf Erden zu verkünden“ zu stellen. Die Eltern hatten Zeit ihres Lebens eine besondere Vorliebe für den Füssener Kalvarienberg gepflegt und seine Entstehung über viele Jahre begleitet. Das zeigt sich unter anderem dergestalt, dass die Königin mit ihren Hofdamen von Füssen aus die im Bau befindlichen Kreuzwegstationen besuchte und dabei einer Aufforderung des Füssener Stadtpfarrers Johann Baptist Graf nachkam, einen Ziegelstein zur jeweiligen Baustelle zu tragen.

Ein Splitter vom Kreuz

Auf Vermittlung von Kronprinz Maximilian erhielt die Pfarrei St. Mang schon im Jahre 1842 aus Rom einen Splitter vom Kreuze Christi, eine für die Gläubigen der Zeit überaus kostbare, verehrungswürdige Reliquie, die in einem feierlichen Ritual auf den Kalvarienberg getragen und später in die Heilig Grab-Kapelle am Gipfel übertragen wurde. Wie bekannt ist diese Kapelle von der Stadtseite her nur durch einen Stollen zugänglich, den man quer durch den Gipfelfelsen des früher sogenannten „Hutlerberges“ gesprengt hatte.

Als Gegenleistung verlangte Maximilian, dass das Ewige Licht in dieser Kapelle an einem Haken so vor dem Südostfenster situiert wurde, dass man den Schein des Lichtes nachts von Schloss Hohenschwangau aus sehen konnte. Der leere, ausmittig an der Decke der Kapelle angebrachte, kräftige Haken wurde leider bei der letzten Renovierung beseitigt. Neben dieser Kapelle liegt ein an den gewachsenen Felsen angelehnter Raum, von dem aus eine schmale Stiege nach oben in das früher so genannte „Pfarrer Graf – Stüble“ führt.

In diesem winzigen Oratorium standen ein schmales Bett und ein Betstuhl. Auf diesem kniend konnte man durch ein Fenster auf den Altar der Kapelle mit einer Figur des toten Christus hinunter blicken, eine Inszenierung, die an das Bett Kaiser Karl V. im Escorial erinnert, vom dem aus der Kaiser auf den Altar der Schlosskirche blicken konnte.

Beliebter Kalvarienberg

Nicht genug: Pfarrer Graf hatte auf der Südseite des Kapellenkomplexes eine Türe einbrechen lassen, für deren Schloss allein der bayerische König einen Schlüssel besaß. Maximilian II. konnte vom Schwansee und den Steinbrüchen am Kienberg her kommend zur Kapelle aufsteigen und den seltsamen Raum betreten ohne von frommen Betern oder schlichten Wanderern gesehen oder gestört zu werden. Der Sohn mag um die besondere Beziehung der Eltern zum Kalvarienberg gewusst haben und das dürfte der Grund für die folgende Geschichte sein deren Gewährsmann der Füssener Stadtpfarrer Joseph Holl war.

Der ging in seiner Predigt am Ostersonntag 1886 besonders auf die tiefe Religiosität König Ludwig II. ein und schilderte, wie er diesen zwei Tage vorher, am Karfreitag, am Kalvarienberg gesehen hatte. Der König war demnach allem Anschein nach zu Fuß über das Königssträßchen zur Kirche zu Unserer Lieben Frau am Berg gekommen, wo die erste Station des Kreuzweges liegt. Stadtpfarrer Joseph Holl traf zusammen mit einigen Füssener Pfarrkindern zum gleichen Zeitpunkt dort ein. Der bayerische König zog grüßend den Hut, er nickte den Füssenern auch zu und schlug dann einen Seitenpfad ein. Es war offensichtlich, dass er mit sich allein sein wollte. Als Pfarrer Holl sich der nächsten Station näherte, stand dort schon der König. Dieser war dermaßen tief im Gebet versunken, dass er niemanden bemerkte.

Pfarrer Holl blieb stehen und sah erstaunt, wie der König zuerst einen langen Blick auf den mit Wolken verhangenen Himmel richtete und dann mit seiner rechten Hand über das Gesicht strich um seine Tränen zu verbergen Es ist sehr wahrscheinlich, dass der vom Stadtpfarrer erwähnte Seitenweg der schmale Pfad war, der bis vor wenigen Jahrzehnten zu dem von den Füssenern sogenannten „Ölberg“, zur „Todesangst Christi Kapelle“, geführt hatte. Der Weg ist heute so verstürzt wie der in eine Felsenkluft hinein gebaute Kultraum mit rohen Säulen und einem steinernen Altar ruinös.

Der König in Pinswang

Nach einer weiteren zuverlässigen Quelle staunten die Pinswanger Bauern bei der Feier der Osternacht 1886 über einen in einer Kirchenbank knienden, in einen dunklen Anzug gekleideten Herrn. Erst im Weiterreichen und langsamen Anwachsen des Lichtes, erst als schließlich hundert Flammen über den Wachsstöcken tanzten und dem Fremden allmählich ein Gesicht zu geben vermochten, da erkannte man in ihm den bayerischen König. Es war den Bayern im Oberland nichts Neues, wenn sich der angeblich so menschenscheue König immer wieder einmal unter die sonntäglichen Kirchgänger mischte.

Das hatte die Mutter des bayerischen Schriftstellers Oskar Maria Graf in Berg erlebt und auch Ludwig Thoma in der Vorderriß. Umgeben von seinen Untertanen und genau so demütig wie sie, beugte der bayerische König seine Knie vor dem Altar. Schon als junger Monarch hatte Ludwig II. des Öfteren allein oder zusammen mit seiner Mutter und dabei meist völlig unerkannt eine Mitternachtsmesse im Münchener Liebfrauendom besucht. Einer seiner Besuche wurde nur deshalb offenkundig, weil der König seinen Schirm in der Kirchenbank liegen ließ und ein Lakai am nächsten Tag das Eigentum des Königs reklamieren musste.

Die tiefe Gläubigkeit des Königs und das ihm eigene, uns aus seinen Tagebuchaufzeichnungen bekannte, mittelalterliche Sündenbewusstsein verbot es ihm schlichtweg, nur 40 Tage nach der Pinswanger Osternacht sich im Wasser des Starnberger Sees den Tod zu geben…

Source : http://www.kreisbote.de/lokales/fuessen/architekt-magnus-peresson-nimmt-eine-historische-zeitreise-durch-fuessen-6242707.html

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