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Sa vie son oeuvre

Le comte Holnstein : un traître dans l’ombre du roi

Neues Buch

Der Stephen Bannon von Ludwig II.

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Max Graf von Holnstein, der am Kaiserbrief mitwirkte.

(Foto: Scherl/SZ-Photo)

Max Graf von Holnstein war ein Freund des bayerischen Königs und ein wichtiger Ratgeber, ähnlich wie der Trump-Spezl. Er lenkte die Geschicke der Regierung – und half bei ihrem Untergang.

Von Hans Kratzer

Der 18. Januar 1871 markiert in der deutschen Geschichte eine epochale Zäsur. An jenem Tag wurde Preußens König Wilhelm I. in Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert. Die Bayern hatten dieses Weltereignis, das ihnen völlig gegen den Strich ging, gemeinsam mit Bismarck auf den Weg gebracht. « Finis Bavariae » notierte der Politiker Ludwig von der Pfordten damals in sein Tagebuch, das Ende Bayerns. Tatsächlich hatte das Land seine Selbständigkeit geopfert, obwohl alle aus tiefstem Herzen darüber wehklagten, auch König Ludwig II., der aus lauter Frustration erst gar nicht nach Versailles fuhr.

So funktioniert eben Politik. Nicht selten treffen deren Protagonisten auf Grund von Sachzwängen Entscheidungen, die ihnen zutiefst zuwider sind. Wer über die seltsame Rolle Ludwigs II. in diesem Drama rätselt, muss seinen Blick zuerst auf Max Graf von Holnstein (1835-1895) richten, der bei der Kaiserproklamation eine zentrale Rolle spielte. Holnstein kannte Ludwig II. von Kindheit an. Nachdem er bei einem Duell im Jahr 1863 seinen Gegner tödlich getroffen hatte und deshalb in Festungshaft saß, begnadigte Ludwig II. den Freund und ernannte ihn zum königlich bayerischen Oberststallmeister.

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Ehrgeizig, zupackend und aufbrausend, wuchs Holnstein bald zu einer Art grauer Eminenz am bayerischen Königshof heran. Er mischte bei allen Großereignissen ganz vorne mit, bei der Kaiserproklamation von 1871 ebenso wie bei der Absetzung Ludwigs II. im Juni 1886. Aus der zweiten Reihe lenkte er die Geschicke Bayerns, ein wenig in jener Art, wie sie sich soeben im Weißen Haus in der Gestalt des Trump-Spezls Stephen Bannon abzeichnet.

Die Journalistin Anita Eichholz hat vor gut zehn Jahren die Person Holnsteins mit einem Dokumentarfilm einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Nun hat sie auf der Basis dieses Streifens eine schmale, mit Screenshots und Interviews aus dem Film angereicherte Broschüre vorgelegt (Zwischen Krone und Vaterland, Max Graf von Holnstein aus Bayern, Epubli-Verlag, 22,80 Euro). Darin beleuchtet sie die Beziehung des Oberststallmeisters zu Ludwig II. mithilfe von Bildern und Dokumenten aus dem Holnstein-Archiv in Schwarzenfeld. Schloss Schwarzenfeld in der Oberpfalz war Holnsteins Hauptwohnsitz. Als Ratgeber wurde Holnstein bald unentbehrlich für Ludwig, neben Richard Wagner war er wohl seine wichtigste Bezugsperson.

Vor allem war er an der Entstehung des « Kaiserbriefes » beteiligt, der dem Preußenkönig die Kaiserwürde des Deutschen Reichs antrug und Ludwig II. schwere Vorwürfe einbrachte. Am 19. November 1870 schickte der preußische Botschafter ein Telegramm an Bismarck: « Ganz Geheim. Der König von Bayern ist durch Bauten und Theater in große Geldverlegenheit geraten. Sechs Millionen Gulden würden ihm sehr angenehm sein, vorausgesetzt, dass die Minister nichts erfahren. Für diese Summe würde er sich auch zur Kaiserproklamation entschließen. Zweck der Reise des Grafen Holnstein ist, mit Ew. Exzellenz hierüber zu sprechen. »

Holnstein überzeugte den König, dass die deutsche Reichsgründung unausweichlich sei und die Ausfertigung des Kaiserbriefs wenigstens persönliche Vorteile für ihn beinhalte. Ratenweise trafen die Entschädigungssummen ein: insgesamt 5,8 Millionen Mark. Die Presse würdigte Holnstein, der vom Volk « Roßober » genannt wurde, als deutschen Patrioten.

Auch an der Entmündigung des Königs war Holnstein beteiligt

Fürst Philipp zu Eulenburg spekulierte 1882, Holnstein müsse irgendeine wunderliche Sache des Königs wissen und diese als Waffe benutzen – « der König liebt ihn nicht mehr und gehorcht ihm doch. » Behauptungen einer möglichen Beziehung des Königs mit seinem Stallmeister in einem Buch des Autors Alfred Wolfsteiner führten vor Jahren zu einem Gerichtsstreit mit den Nachfahren Holnsteins.

Im Jahr 1883 verschärften sich die Konflikte zwischen Ludwig II. und Holnstein. Der hatte belastendes Material über den sich immer seltsamer gebärdenden König gesammelt, das später dem Irrenarzt Gudden übergeben wurde. Auch an der Entmündigung des Königs war Holnstein beteiligt. Als Realpolitiker habe er die politische Stabilität Bayerns bedroht gesehen, sagt der Historiker Reinhard Heydenreuther in dem Buch von Eichholz.

In Viscontis Ludwig-Film von 1972 erscheint Holnstein indes als mutmaßlicher Mörder Ludwigs II., der er aber nicht war. Nach Ludwigs Tod war Holnstein dennoch der meistgehasste Mann in Bayern. Bewegt schrieb er seiner Frau: « Ich bin weder Staatsmann noch Diplomat, ich habe den König nur geliebt und versucht ihn zu retten. » Es wurde einsam um ihn. 1895 starb der Mann, der auch die Bayerische Vereinsbank mitgegründet hatte, im 60. Lebensjahr.

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Source : http://www.sueddeutsche.de/bayern/neues-buch-der-stephen-bannon-von-ludwig-ii-1.3370975