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Sa vie son oeuvre

Exposition : Otto 1916-2016

„Der rasende König“

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Im Kloster Benediktbeuern erzählt eine Ausstellung vom geisteskranken Otto I., der 30 Jahre im Amt war. Von Christiane Mühlbauer.

Er war König, doch er hatte nichts zu sagen. Er konnte auch nicht, denn Otto I., der Bruder von Ludwig II., war geisteskrank. Als er 1886, nur wenige Tage nach dem Tod seines Bruders im Starnberger See, zum König proklamiert wurde, hat man ihn sofort wieder entmündigt. Onkel Luitpold übernahm die Regentschaft. Schon seit 1883 war Otto (1848 bis 1916) im Schloss Fürstenried interniert, wurde rund um die Uhr überwacht. Wer war dieser Mann, der Bayern 30 Jahre und damit länger als jeder andere König „regierte“? Es ist unbestritten, dass seine Krankheit die bayerische Geschichte beeinflusste. Ludwig II. wollte mehrmals abdanken und die Krone an seinen jüngeren Bruder weiterreichen, tat dies aber nicht, weil man in der Familie Ottos Geisteskrankheit schon früh erkannte. Als Otto I. entmündigt auf dem Thron saß, diskutierte Bayern über die verfassungsrechtliche Rolle des Königs.

Otto I. ist bis heute ein Schattenkönig oder, wie Historiker Alfons Schweiggert sagt, „Bayerns unglücklichster König“. Nun widmet Schweiggert im Kloster Benediktbeuern Otto eine umfangreiche Ausstellung. Basis ist Schweiggerts Biografie über den König (wir berichteten). Die Räume für die Präsentation stellt der Bezirk Oberbayern zur Verfügung, genauer gesagt, die Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters. Vor zwei Jahren hatte sich Schweiggert dort mit dem Leben von Bernhard von Gudden beschäftigt, dem Leib- und Hofarzt, der mit Ludwig II. umkam.

Aufgrund der Zahl der Besonderheiten sei die aktuelle Schau „vielleicht eine Welturausstellung“, sagte Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler bei der Eröffnung. Und in der Tat sind die Vitrinen reich bestückt. Es gibt zahlreiche Raritäten zu sehen, die sich bei privaten Sammlern befinden, angefangen von Familienfotos der Wittelsbacher aus dem Album von Königin Marie über Ottos Schreibmappe bis zu Tassen und Münzen. Herzstücke sind Ottos Hausmantel, sein Spazierstock, auf dem man noch die Dellen sieht, die aus seinen Tobsuchtsanfällen resultierten, ein Hausaltar und ein Brillenetui aus Elfenbein. „Vieles wurde nach Ottos Tod einfach verschenkt. Man erkannte nicht den Wert“, so Schweiggert. Die Leihgaben stammen unter anderem von dem Ludwig II.-Sammler Jean Louis Schlim, von Norbert Rutzki und Sepp Schleicher. Dieser besitzt eine Schwanenbrosche, die Otto Weihnachten 1874 seiner Mutter Marie schenkte. In dem Kästchen liegt noch ein handgeschriebener Zettel von ihr.

Die Besucher sehen auch – ebenfalls selten ausgestellt – handgeschriebene Briefe von Otto. Auf historischen Zeitungsausschnitten kann man nachlesen, wie sich die Boulevardpresse seinerzeit das Maul zerriss mit Schlagzeilen wie „der apathische, rasende König“ oder „aus dem Liebesleben des Königs“. Auf über 70 Bildtafeln hat Schweiggert das private und politische Leben, die Stadien von Ottos Erkrankung sowie damit einhergehend die Entwicklung der Psychiatrie in Bayern dargestellt. Denn wegen Ottos Leid befasste man sich mit psychischen Krankheiten. Daher wurde diese damals noch junge medizinische Forschungsrichtung in München immer intensiver betrieben. Schweiggert lässt auch verschiedene Mediziner zu Wort kommen, die Ottos Krankheit nach heutigem Wissen beurteilen.

Bis 12. Juli

in der Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters; Di.–Sa. 13–17 Uhr, So. 11–16 Uhr; freier Eintritt; Tel. 0 88 57/8 88 50; Begleitprogramm in Benediktbeuern und München: www.bezirk-oberbayern.de. Buch: Alfons Schweiggert: „Bayerns unglücklichster König“. Verlag St. Michaelsbund, München, 287 Seiten; 19,90 Euro.

Source : http://www.ovb-online.de/kultur-tv/der-rasende-koenig-6413770.html

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