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Sa vie son oeuvre

Exposition

AUSSTELLUNG ÜBER LUDWIGS SCHLÖSSER IM HEIMATMUSEUM

Ansturm seit 1886 ungebrochen

Marcus Spangenberg stellte die Exponate aus seiner Sammlung zur Verfügung und führte bei der Vernissage thematisch in die Ausstellung ein. Berger

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Marcus Spangenberg stellte die Exponate aus seiner Sammlung zur Verfügung und führte bei der Vernissage thematisch in die Ausstellung ein. Berger

In 230 Exponaten wird in einer Sonderausstellung im Heimatmuseum die Rolle und Bedeutung der Prunkbauten von Ludwig II. in Tourismus und Werbung beleuchtet.

Prien – Viele Besucher kamen zur Vernissage der Ausstellung „Traumschlösser? König Ludwig II. – seine Bauten in Tourismus und Werbung“, die im Jahr des 130. Todestags des Märchenkönigs bis 23. Oktober gezeigt wird.

Von Fotos und Zeitungsartikeln über Plakate, Gemälde und Wandteller bis hin zu Verpackungen für Wurst, Kaffee und Fertiggerichte sind zu sehen. Bürgermeister Jürgen Seifert hob bei der Eröffnung hervor, dass der damals 28-jährige König beim Erwerb der Herreninsel wenig begeistert von der Region gewesen sei. Vielmehr wollte er den Chiemsee gar verdecken, so dass er von seinem Anblick verschont bleibe, schrieb der Märchenkönig in einer Depesche, wie Seifert vorlas. Allein die Kunst müsse die Umgebung angenehm und den See vergessen machen, so die Meinung des Königs.

Auf die Diskrepanz zum eigentlichen Vorhaben von König Ludwig II., das Schloss Herrenchiemsee nur für sich allein zu bauen – es durften nur wenige ausgewählte Personen die Räume betreten – ging auch der König-Ludwig-II.-Biograf Marcus Spangenberg ein, aus dessen Privatbesitz die gezeigten Objekte stammen. In großem Gegensatz stehe der introvertierte Beweggrund zur jetzigen extrovertierten Nutzung der Königsschlösser. Denn mit der Öffnung von Neuschwanstein, Linder hof und Herrenchiemsee nach dem Tod des Königs 1886 habe ein Besucherboom begonnen, der bis heute ungebrochen bleibe.

Das Ziel der Bayerischen Staatsregierung, damit einen Teil der von König Ludwig II. verursachten Schulden wieder einzunehmen, sei bestens aufgegangen. Ein weiterer Grund für die schnelle Öffnung der Bauten sei sicherlich auch gewesen, die Bevölkerung von der Richtigkeit der Entmündigung Ludwig II. zu überzeugen.

Denn zeugten die Bauten nicht von seiner Verrücktheit, fragte Spangenberg rhetorisch in die Runde. Wenn sich auch einige dieser Meinung anschlossen, so waren doch die meisten Besucher schlichtweg begeistert von der Pracht und der Handwerkskunst – der Mythos des Märchenkönigs war nicht mehr aufzuhalten, erläuterte Spangenberg.

Die Schlösser zählen nach wie vor zu den Top-Ausflugszielen in Deutschland, allen voran Neuschwanstein, das 2015 1,5 Millionen Besucher zählte, Herrenchiemsee und Linderhof jeweils um die 400 000.

Heimatdichter Ludwig Thoma betrachtete zu seiner Zeit Spangenberg zufolge Herrenchiemsee hingegen als Symptom der beginnenden Erkrankung von König Ludwig II., weil er mit diesem „Abklatsch von Schloss Versailles das Schönste auf Herrenchiemsee, den Wald, zerstört hat“, wie Seifert zitierte. Für ihn stelle sich die Frage, ob der technikbegeisterte König manisch-depressiv oder derart seiner Zeit voraus war, dass ihn damals niemand habe verstehen können. In jedem Fall habe er Großartiges vollbracht, wie keiner vor oder nach ihm, schloss er seine Rede.

Spangenberg dankte nach seiner kurzen Einführung seinen anwesenden Eltern. Dass sie vor ziemlich genau 40 Jahren ihren Urlaub in Oberbayern verbracht hätten, sei ein Glücksfall für ihn gewesen. Denn damals, beim Besuch von Herrenchiemsee, habe sich seine Leidenschaft für den Bayernkönig entfacht.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Museums, dienstags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr, zu sehen.

Source : https://www.ovb-online.de/rosenheim/chiemgau/ansturm-seit-1886-ungebrochen-6578380.html