previous arrow
next arrow
previous arrownext arrow
Slider
His life his work

Exposition Louis II et la Technique : un roi visionnaire et social.

KÖNIG LUDWIG II.

Die größten Bauvorhaben unter Ludwigs Regentschaft dienten dem Volk

Stand: 01.11.2018 | Lesedauer: 5 Minuten

Von Barbara Reitter-Welter

Der Thronsaal von Schloss Neuschwanstein, errichtet 1881-1886 von Julius Hofmann

Quelle: Architekturmuseum der TU Muenchen/Ulrike Myrzik

Ludwig II. war ein visionärer Bauherr – doch der Märchenkönig ließ nicht nur Residenzen errichten. Auch Zweckbauten trugen seine Handschrift. Und immer manifestierte sich der typische Dualismus aus Realitätssinn und Irrationalismus.

Schon zu Lebzeiten machte der Volksmund ihn zum „Märchenkönig“ – ein Etikett, das Ludwig II. (1845–1886) hasste. Doch es überdauerte den Monarchen wie all die Klischees, die bis heute jedes Jahr allein mehr als eineinhalb Millionen Besucher nach Neuschwanstein locken.

Ein sehr eingeschränktes Bild, das das Architekturmuseum in München nun ein wenig zurechtrücken möchte. Zum 150. Jubiläum der Technischen Universität, die aus einem Gründungsakt des Bayernkönigs hervorging, wird „Der Kini“ rehabilitiert, ja nobilitiert als fortschrittlicher Bauherr. Denn unter seiner Ägide entstanden bayernweit „Königsschlösser und Fabriken“, so der Titel der Ausstellung in der Pinakothek der Moderne.

„Wir wollen zeigen, was Ludwig II. jenseits der allseits prominenten Schlösser an öffentlichen Gebäuden bauen ließ. Vieles ist in der Öffentlichkeit noch immer weitgehend unbekannt und wurde auch wissenschaftlich noch nie untersucht“, sagt die Architekturhistorikerin und Kuratorin Katrin Bäumler. 500 Objekte, darunter originale Pläne, Modelle und Stiche, aber auch Fotos von 40 noch erhaltenen Bauwerken hat sie zusammengetragen. Eine Schau, die auch eine neue Perspektive auf die Wirkung des Königs aufzeigt, der aufgrund seines mysteriösen Todes und seiner widersprüchlichen Persönlichkeit bis heute durch Filme, Romane und Musicals entweder verklärt oder verkitscht wird. 

Die Ausstellung fokussiert sich auf zwei große Aspekte: Zum einen Ludwigs persönliche Bauvorhaben, zum anderen jene Projekte, die dem Wohl der Bevölkerung dienten. Hier manifestierte sich die grundlegende Ambivalenz des Monarchen. „Bei seinen Schlössern agierte Ludwig wie ein Regisseur, der sich um jedes Detail kümmerte. Wie ein Bühnenbildner griff er in die Gestaltung ein, ja, skizzierte manchmal selbst seine Idealvorstellungen“, sagt die Kuratorin. Tatsächlich existieren noch ein paar Zeichnungen, die der Monarch selbst angefertigt hatte.

Bei seinen eigenen Häusern gestaltete König Ludwig II gern mit, skizzierte oft selbst seine Vorstellungen. Einige Skizzen sind erhalten. Hier Schloss Linderhof

Quelle: Architekturmuseum der TU Muenchen/Ulrike Myrzik

Ludwig suchte die Architekten aus, beschäftigte eine ganze Schar, entließ sie, wenn sie nicht auf seine Wünsche eingingen. „Hier war er Visionär – auch wenn gerade die Schlösser mit ihrem romantischen Vergangenheitsbezug architektonisch alles andere als innovativ oder progressiv waren.“ Doch hinter der altmodischen Hülle verbarg sich modernste Technik und höchste Qualität. Ein beheizbares Schwimmbad, Klosetts mit Wasserspülung oder ein Speisenaufzug. Seine Idee einer Lastengondel quer über den Chiemsee wurde allerdings nicht realisiert.

Der König war bestens informiert über sämtliche technische Neuerungen seiner Zeit, ob es nun um Bautechnik oder um Hygiene, um Chemie oder Physik, um Medizin oder Fotografie ging. Das widerspricht der gängigen Einschätzung, dass es sich beim Monarchen um einen weltfremden Spinner handelte. 

„Zwar war er ein Grenzgänger, doch er trieb die Modernisierung Bayerns ganz bewusst voran. Als oberster Bauherr des Landes hatte er völlig rationale Vorstellungen, beschäftigte sich mit allen gesellschaftlichen Problemen und führte ganz gewissenhaft seine Amtsgeschäfte“, sagt Katrin Bäumler.

Neorenaissance“ in Bayern

Zu Recht wird Ludwig II. ein „Künstler auf dem Thron“ genannt, galt doch sein Hauptinteresse der Förderung der schönen Künste sowie Bildung und Wissenschaft. So stellte er sowohl für die Akademie der Bildenden Künste in der Maxvorstadt als auch für das Künstlerhaus am Lenbachplatz das Grundstück den Architekten zur Verfügung. 

Die heutige Technische Universität ging aus der von ihm gegründeten Polytechnischen Schule an der Arcisstraße hervor. Auch hier mischte er sich ein, kritisierte zum Beispiel die seiner Meinung nach zu aufwendige Fassaden-Dekoration. Dieser Institution überließ er später auch das gesamte Entwurfsmaterial seiner Architekten, darunter Zeichnungen und Pläne unter anderem von Gottfried von Neureuther und Gabriel von Seidl – der Grundstock der heutigen Architektursammlung.

Hatte Ludwigs Vater im Zeitalter des Historismus noch den neugotischen „Maximilians-Stil“ durchgesetzt, präferierte der Sohn die Neo-Renaissance. Doch der König konnte sich nicht immer durchsetzen. So scheiterte das von Gottfried Semper geplante Festspielhaus am Isarhochufer, das er seinem Protegé Richard Wagner errichten lassen wollte, am Widerspruch seiner liberalen Minister. Allerdings distanzierte sich Ludwig II. später auch selbst vom lange Zeit leidenschaftlich geliebten, bewunderten Komponisten wegen dessen offenen Antisemitismus. Doch Bayreuth entstand dennoch – und in München das Gärtnerplatztheater.

Der tolerante Katholik

Was Religion anbelangte, war der Monarch, selbst gläubiger Katholik, persönlich tolerant; unter seiner Herrschaft wurden in ganz Bayern Synagogen gebaut. Selbst durchaus kirchenkritisch, ließ er ebenso viele katholische wie evangelische Kirchen errichten.

„Ludwig II. unterstützte nicht nur die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, ja ganz Bayerns und der damals dazugehörigen Rheinpfalz. Er wollte ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft herstellen“, sagt Kuratorin Bäumler zum umfassenden Engagement des Monarchen.

Selbst das Großbürgertum begann, sich schlossartige Häuser zu bauen, da gerieten auch die Miethäuser, die König Lugwig II in Auftrag gab, zu edlen Gebäuden. Hier in der Volkhartstraße in Augsburg

Quelle: Architekturmuseum der TU Muenchen/Ulrike Myrzik

Denn die größten Bauvorhaben unter Ludwigs Regentschaft dienten dem Volk: Das waren in Zeiten der Erosion der Monarchie, eines erstarkenden Bürgertums sowie wachsender Industrialisierung nicht nur große Fabriken wie für die Augsburger Textilherstellung, die Maxhütte in der Pfalz oder in München Anlagen für die Augustiner-Brauerei oder der Schlachthof. Das waren auch Arbeitersiedlungen und Waisenhäuser, Kasernen und Krankenhäuser wie die Hauner’sche Kinderklinik, außerdem Bahnhöfe, Brücken, Bäder und Bierhallen, ferner die Anlage eines fortschrittlichen Kanalisationssystems für die Residenzstadt.

Die überlieferte Hierarchie der Bauaufgaben, an deren Spitze selbstverständlich die Schlösser standen, während Zweckbauten ganz unten rangierten, wurde im Laufe seiner Amtszeit nivelliert. Sahen doch manche Fabriken aus wie Schlösser, beziehungsweise ließen sich manche Fabrikherren wie Faber-Castell in Stein bei Nürnberg schlossartige Wohnsitze errichten.

Spagat zwischen Rückbesinnung und Fortschritt

Zwar waren viele Bautypen und Ausstattungsprogramme noch immer vom Schlossbau abgeleitet, doch unter Ludwig vermischten sich Stile wie auch Materialien. So ließ er selbst für seine Traumschlösser Glas, Eisen und Beton verbauen, genauso wie für Brücken oder Bahnhofshallen. 

Immer und überall manifestierte sich der typische Dualismus aus Fortschrittsgläubigkeit und Rückbesinnung, aus Realitätssinn und Irrationalismus, der sich durch alle Aktivitäten des Königs zog.

„Königsschlösser und Fabriken – Ludwig II. und die Architektur“, Pinakothek der Moderne, bis 13. Januar