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His life his work

Monthly Archives: August 2017

Louis II et ses chevaux

Serie “Füssen und seine Historie”

König Ludwig II. und seine Pferde

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Diese Kreidezeichnung von Jakob Melcher aus dem Jahr 1865 zeigt den jungen König Ludwig II. bei einem Ausritt am Schwansee in Schwangau.

Die Wurzeln der Stadt Füssen reichen bis in die Römerzeit zurück.  Unter dem Titel „Füssen und seine Historie“ stellt der Kreisbote historische Orte, Personen und Ereignisse vor. Architekt und Historiker Magnus Peresson nimmt Sie dabei an die Hand. Heute erzählt er über einen königlichen Reiter.

König Ludwig II. von Bayern wird heute allzu sehr auf den Bauherren weltberühmter Schlösser, den Retter und Förderer Richard Wagners, den Schuldenmacher, den angeblich Geisteskranken und allenfalls auf seinen rätselhaften Tod reduziert. Entgegen all dieser Klischees war der König ein fanatischer Konsument tausender Bücher, ein exzellenter Kenner der deutschen Klassiker, ein kühler Analytiker der aktuellen politischen Ereignisse und ihrer wahrscheinlichen Folgen und, in seinen Jugendjahren, ein glänzender Reiter.

Reitbahn am Schloss 

Ludwigs Vater, König Maximilian II., hatte seinem Sohn eine gediegene Ausbildung im Reiten zukommen lassen. In Hohenschwangau wurde dafür neben dem Marstall (dem heutigen Bräustüberl) eine vieleckige Reitbahn mit einem geschindelten Kegeldach gebaut, im Englischen Garten dagegen eine offene Reitbahn. Die lag in der Falllinie des Torbaues an Schloss Hohenschwangau. So konnte von dessen Terrasse aus die stolze Mutter die Reitkünste ihrer Söhne beobachten. Noch bis vor 40 Jahren hatte sich die Reitbahn, die wie ein antiker Circus angelegt war, erhalten. Ihre Begrenzung bildeten mächtige alte Bäume. Der ursprünglich mit feinem Kies und Sand bedeckte Boden der Bahn verhinderte lange Zeit einen nennenswerten Bewuchs. Nur im Sommer verschwand das verwunschene Areal unter den ausladenden Blättern der Pestwurz, die die Einheimischen von je her als „Blecke“ bezeichneten.

Gute Reitausbildung 

Die Reitausbildung des Kronprinzen umfasste all jene Disziplinen die notwendig waren, um auch im Sattel eine gute Figur zu machen. Der Generaladjutant des preußischen Königs hatte während eines Aufenthaltes in München schon 1863 ein Bild des Kronprinzen gemacht: „…man musste seinen geweckten Geist, seine körperliche Gewandtheit wie seinen Mut bewundern. Er ritt und fuhr mit seltenem Geschick…“

Wie überlegen der künftige König auf dem Rücken eines Pferdes handeln konnte, bewies er schon als Siebzehnjähriger, als er mit der Mutter in seinem Ponywagen, den er vom Sattel aus lenkte, im Englischen Garten in München spazieren gefahren war. Die Mutter wunderte sich über das ungewohnte Tempo. Er beruhigte sie mit der Bemerkung „es gehe ja ganz schön“, und verschwieg dabei, dass die Zügel gerissen und die Pferde durchgegangen waren. Vor dem Schloss angekommen richtete sich Ludwig in den Steigbügeln auf, beugte sich nach vorne und griff in die Nüstern der Tiere. Er parierte sie, in dem er deren Köpfe hochriss.

Ein Pferd im Schloss 

Als König Ludwig II. im September 1864 auf dem Münchener Marsfeld seine erst Truppenparade abnahm, bemerkte ein englischer Biograph: „Der König sitzt mit vollkommener Sicherheit zu Pferd. Er trägt mit einer für einen so jungen Mann außerordentlichen Würde das Haupt und seine schönen Augen blicken geradeaus.

Niemand, als vielleicht ein schwärmerisches Mädchen, wird je behaupten wollen, dass dieser schöne junge Reiter ein militärisches Aussehen hat.“ Die Dichterin Anette Kolb beschrieb eine Begegnung ihrer Mutter mit dem königlichen Reiter so: „Als sie eines Tages in Ammerland den Starnbergersee entlang ging, kam er plötzlich allein geritten. Er grüßte sie, ohne sie anzusehen. Aber seine Erscheinung, wie er zu Pferd saß, das herrliche Bild vergaß sie nie“.

Wilde Ritte über die Berge 

Die Mitglieder der Königsfamilie ritten edle, meist in England gezüchtete Pferde. Darunter befand sich auch manchmal ein Exemplar, das besonders berggängig war. So führte einer der Rossknechte den feurigen Araberhengst Soliman mit umwinkelten Hufen die Wendeltreppe in Schloss Hohenschwangau hinauf, um dort den König zu besuchen. Der hatte gerade sein Mahl beendet und fütterte nun das Tier mit den Resten der Tafel. Dieser reagierte eher belustigt, als Soliman, ehe er aus dem Saal geführt wurde, sozusagen als Gastgeschenk, dampfende Äpfel hinterließ.

Im Spätherbst 1864 verbrachte der junge König einige Wochen in Hohenschwangau. Er benötigte die Stille als Gegenpol zum lauten Betrieb der Münchener Residenz. Es verging aber kein Tag ohne wilde Ritte durch die Umgebung des Schlosses. Über die Reitwege, die sein Vater gebaut hatte, ging es weit hinauf und quer durch die Ammergauer Berge. Man konnte damals nicht nur bis zum Königshaus auf dem Tegelberg reiten, sondern auch zur Jägerhütte und hinunter in den Ammerwald und weiter bis nach Graswang.

Es war möglich bis zur „Gabel“ und zur Hochblasse zu reiten. Ein heute vergessener Weg führt immer noch durch die Südflanke des Straußberges bis unterhalb des Gipfels. Die akribisch geführte Schlosschronik vermerkte jeden Reitausflug des Königs, ganz gleich, ob das angesteuerte Ziel Breitenwang, Vils, Tannheim oder der Fernpass war. Über Bleckenau und Jägerhütte sollte ihn sein Ritt am 4. November bis zur Hochblasse bringen, doch der über Nacht gefallene Schnee zwang den Reiter über den Schützensteig zum Plansee auszuweichen und über Reutte zurückzukehren.

Am 17. November ging es dann über den Fernpass nach Imst und weiter zur Gedächtniskapelle von Brennbichl, die zuunterst in der Innschlucht lag. Hier war zehn Jahre vorher der sächsische König durch einen Hufschlag an den Kopf tödlich verletzt worden. Der König besuchte auch das mit Blutspritzern befleckte Sterbezimmer im nahe gelegenen Gasthof, das, angemietet vom sächsischen Königshaus, wohl bis zum Ende der Monarchien unverändert erhalten bleiben musste.

Am 22. November ritt Ludwig dann ohne jede Begleitung nach Ambras bei Innsbruck, besichtigte das Schloss und kam am nächsten Tag um Mitternacht zurück nach Hohenschwangau, „vergnügt über das gelungene Inkognito“, wie es hieß.

Ritte fürs Wohlbefinden 

Am 24. Mai 1865 geriet der König dann mit einem Reitknecht in der Nähe des Tegernsees in ein nächtliches Gewitter. Ein Blitzschlag erschreckte zunächst das Pferd des Reitknechts, das diesen abwarf und durchging. Wenig später geriet das Königspferd in Panik und verschwand in der Nacht. König und Begleiter kämpften sich durch strömenden Regen bis zu einem Bauernhof. Dort klopften sie den Bauern, der sie nicht erkannte, aus dem Bett, um ihm einen alten Regenschirm abzukaufen.

Nach dem Besuch einer Aufführung von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ am 19. Oktober in München fuhr der König in die Vorderriß und ritt von dort bis an den Vierwaldstätter See, um dort die Schauplätze der Tell-Sage zu besuchen. Am 2. November traf er hoch zu Ross in Hohenschwangau ein. Der Besuch Richard Wagners, der eine Woche dauern sollte, stand bevor. Doch auch zwischen den Unterredungen mit dem Freund machte der König seinem übervollen Herzen Luft, in dem er kurze wilde Ritte unternahm. In einem seiner Briefe an die Kinderfrau Sibylle Meilhaus, die Ludwig sein Leben lang liebte und verehrte, erwähnte Ludwig einmal, dass er für sein Wohlbefinden „stählender Ritte“ bedürfe.

Bruch beendet Reiterei 

Ein Leistenbruch setzte schließlich den Ausritten des Königs ein Ende. Das war aber der Beginn der meist nächtlichen Schlitten- und Kutschfahrten, der märchenhaften Inszenierungen, die den König vollends zur Legende machten.

Die Liebe des Königs zu seinen Pferden schlug sich in einer Galerie nieder, die als eine ungewöhnliche Fortsetzung der Galerie der „Schönen Münchnerinnen“ des Großvaters (der Kreisbote berichtete) zu verstehen ist.

Einer der besten Tiermaler der damaligen Zeit, der Norddeutsche Friedrich Wilhelm Pfeiffer, malte zwischen 1866 und 1880 insgesamt 28 meisterhafte Pferdeportraits. Jedes der Tiere setzte er vor heimatlicher Kulisse in Szene. Von sechs der Hohenschwangauer Pferde erscheint Wala in der Bleckenau, erscheinen Verbena und Nikur am Parapluie, sowie Editha und Regina am Branderfleck. Das schönste von allen zeigt den Hengst Luitprand vor dem Gasthof Schluxen.

Leibpferd begleitet Sarg 

Die Verbindung zwischen dem königlichen Reiter und seinen Pferden riss nicht einmal der Tod auseinander. Obwohl der König seit vielen Jahren nicht mehr auf einem Pferd gesessen war, begleitete am 19. Juni 1886, dem Tag seines Begräbnisses, nach altem Zeremoniell sein schwarz behängtes Leibpferd den feierlichen Leichenzug. Es folgte jedoch nicht der Kutsche mit dem Sarg. Es schritt neben den sterblichen Überresten seines Herrn und blieb an dessen Seite bis das Portal der Michaelskirche die traurige Fracht für immer aufnahm.

Magnus Peresson

Source : https://www.kreisbote.de/lokales/fuessen/serie-fuessen-seine-historie-magnus-peresson-erzaehlt-koenig-ludwig-seine-liebe-pferden-8615986.html

172ème anniversaire de la naissance du roi Louis II

22.08.2017 · SCHWANGAU/FÜSSEN

Schwangau und Füssen brennen zu König Ludwigs Geburtstag ein Veranstaltungs-Feuerwerk ab

Wiegenfest · Obwohl es kein runder Geburtstag ist, wird das 172. Wiegenfest König Ludwigs II. von Bayern am Freitag, 25. August, im Ostallgäuer Königswinkel um Schwangau und Füssen so vielfältig gefeiert wie selten eines davor. So lädt die Bayerische Schlösserverwaltung zu Sonderführungen auf Schloss Neuschwanstein ein und wird in der Wallfahrtskirche St. Coloman eine Gedenkmesse gefeiert.

Ludwigs Geburtstag
Unvergessen: König Ludwig II. wird im Schwangau und Füssen bis heute verehrt.
Bild: Tourist Information Schwangau

Bereits am Vorabend von Ludwigs Geburtstag leuchtet auf dem Tegelberg ein Bergfeuer. Die Königsgala, die Musicalmelodien zu Ludwigs Geburtstagsfeier beiträgt, hat am Freitag- und Samstagabend Premiere im Klosterhof von St. Mang in Füssen.

Das Festspielhaus Füssen, das sich seit kurzem mit Ludwigs Namen schmückt, huldigt dem König am Wochenende mit einem dreitägigen Festprogramm rund um das Musical Ludwig².

Und der Historische Verein Alt Füssen rundet das Geburtstagprogramm am Samstagabend im Anton-Sturm-Haus mit bislang unbekannten Anekdoten über den König ab.

Source : https://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Schwangau-und-Fuessen-brennen-zu-Koenig-Ludwigs-Geburtstag-ein-Veranstaltungs-Feuerwerk-ab;art26090,2494734

Interview du prince Luitpold de Bavière

INTERVIEW

“Früher tranken die Bayern Bier, um zu überleben”

Der Urenkel des letzten bayerischen Königs hat seine Familie zur Marke gemacht. Luitpold Prinz von Bayern über Ritterturniere, politische Entscheidungen im Biergarten und Otto von Habsburgs Trachtenhut.

Von David Baum

Luitpold Prinz von Bayern:

Luitpold Prinz von Bayern, 1951 geboren, ist von mütterlicher wie auch väterlicher Seite Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. und Inhaber der König Ludwig Brauerei, sowie der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Seit 1979 veranstaltet er das Kaltenberger Ritterturnier. In der theoretischen bayerischen Thronfolge steht er an Platz zwei. Er hat fünf Kinder, darunter die bekannte Krähenforscherin Auguste von Bayern sowie Ludwig von Bayern, der in Kenia ein IT-Unternehmen betreibt.

Lieber Prinz Luitpold, wir treffen Sie inmitten von bayerischen Rittern, Burgfräuleins und Knappen. Wieso inszenieren Sie im 21. Jahrhundert die Welt Ihrer Vorvorfahren, den bayerischen Herzöge, als Jahrmarkt?

Wir veranstalten die Kaltenberger Ritterspiele seit 38 Jahren. Damals gab es in Deutschland kein Ritterturnier, auch keine Mittelalterszene wie heute.  Turniere waren eigentlich verboten, seitdem man einen französischen König aufgespießt hat. Zeitweise waren die sogar mit Kirchenbann belegt.

Die historischen Turniere! Das, was Sie hier ausrichten, ist doch Show?

Natürlich, wir machen Unterhaltung. Das ist ja nicht verboten. Die Darsteller heute sind hochprofessionelle Stuntmen, die für Hollywood arbeiten. Zu Beginn war das allerdings anders, da gab es so eine wilde Truppe, wenn die sich am Vorabend stritten und gebechert haben wurde das auch Mal bitterer Ernst. Ich hatte die auf einer Geschäftsreise im Tower von London gesehen und war gleich begeistert. Das war schaurig wild. Die haben wir gleich rübergeholt. Der Erfolg hat uns völlig überrannt.  Am zweiten Tag standen hier zweitausend Leute, wir hatten nichts zu essen, keine Toiletten. Es war der Hammer.

Hatten Sie keine Bedenken, die Geschichte der eigenen Familie, dadurch zu banalisieren?

Nein, wir stellen ja keine konkrete historische Begebenheit dar. Mein Sohn Heinrich schreibt gemeinsam mit einem Autor das Buch für die Turniere. Wir haben uns angeschaut, was es früher bei solchen Festen gab – und das waren eben Gaukler, Schmankerl und Umzüge, das ist schon halbwegs authentisch. Wir achten darauf, dass die einzelnen Darsteller und Anbieter hereinpassen – lieber verzichten wir mal auf eine Standmiete, wenn die nicht über die Runden kommen, als etwas allzu Kommerzielles zuzulassen.

Diese offensive Leutseligkeit unterscheidet Sie von den meisten anderen ehemals regierenden deutschen Königs- und Fürstenhäusern.

Ich kann schwer sagen, wieso das so ist. Unsere Familie war von 1180 an bis zur deutschen Revolution durchgehend an der Regierung, 738 Jahre – das ist Rekord in Europa. Die Familie hatte viele Kunstsammler, es gibt also viele kulturelle Anknüpfungspunkte, die bis heute nachwirken, in Kirchen, Schlössern und so weiter. Unseren jeweiligen Familienchefs in den vergangenen 100 Jahren ist eine außergewöhnlich gute Koordination anzurechnen, die haben auch ohne offizielle Funktion gesagt: Bayern zuerst. Wir sahen uns als Diener des Landes, wir hatten ein eher bodenständiges Leben und nicht die Nase hoch getragen, sondern uns als Teil der Bevölkerung betrachtet.

 

“Wenn ich Urlaub brauche, bleibe ich einfach daheim”

Gab es nach 1917 keinerlei Sehnsucht nach der politischen Macht?

Anders, als sie denken. Kronprinz Ruprecht hatte zwischen den Weltkriegen weiterhin eine starke Position im Land. Die Königspartei war die zweitstärkste Kraft im Land. Als dann die braune Zeit losging, waren das die größten Gegner der Nazis. Deshalb musste ein großer Teil der Familie ins Ausland fliehen, die die sie erwischt haben, waren alle im KZ. Auch das gehörte zu der Verantwortung für das Land, die wir auch der jüngeren Generation draufpacken.

In Ihrem Stammbaum finden sich zwei der legendärsten monarchischen Persönlichkeiten Märchenkönig Ludwig II. und Kaiserin Sisi. Hat sich auch deren Spleenigkeit vererbt?

Vor allem Ludwig war viel bodenständiger als man denkt. Der lebte im Sommer zeitweise in einfachen Hütten. Viel wichtiger ist, dass wir  historische Figuren unserer Familie beschützen. Ich beschäftige mich sehr damit, dass die nicht kommerzielles Freiwild sind. Deshalb sichern wir die gewerblichen Schutzrechte auf diese Namen. Wir wollen vermeiden, dass deren Bild fremdbestimmt ist. Es ist wichtig, dass man Herr der eigenen Geschichte bleibt. Es gibt Beispiele, wie das weniger gelungen ist.

Zum Beispiel?

Der von mir sehr geschätzt Onkel Otto Habsburg hat einem rührenden Hutverkäufer, bei dem er einen Trachtenhut gekauft hat, erlaubt, diesen nach ihm zu benennen. Seitdem hat der das Recht auf die Kleidermarke Habsburg. Der könnte damit auch Blödsinn treiben, was ich nicht unterstelle, durch die Marke wird das Unternehmen aber vom Verbraucher dem Haus Habsburg zugeordnet.

 

“Schön wär’ ein bayerischer Ministerpräsident, für den ich mich nicht schämen muss”

Was machen Sie aus den Marken ihrer Vorfahren?

Wir stellen selbst das König-Ludwig-Bier her und haben Rechte für andere Bereiche, zum Beispiel Pflegeprodukte. Nicht weil wir damit das große Geschäft machen wollen. Wir erlauben einer Parfümerie in München, ein sehr exklusives König Ludwig-Parfum zu vertreiben, das ist es dann aber auch. Damit besetzen wir das Feld. Sie dürfen nicht vergessen, dass bereits zehn Jahre nach des Königs Tod der erste ein Markenrecht angemeldet hat. Das war ein König-Ludwig-Feigenkaffee, die Marke gibt es bis heute. Ich konnte die vor einigen Jahren Gottseidank erwerben. Wenn sowas in die Hände von einem Konzern wie Nestle geriete, wäre das ein Supergau.

Woher kommt die Liebe der Bayern zum Bier?

Bayern war vor einigen Jahrhunderten ein Weinland, da gab’s Weinberge bis nach Berchtesgaden. Dann kam die kleine Eiszeit und Wein wuchs nicht mehr. Wasser zu trinken ging nicht, das war dreckig, da bekam man Cholera, Ruhr und alles mögliche. In der Milch schlummerte die Tuberkulose. Ab fünf Prozent Alkohol gibt es keinen  gefährlichen Keim, der überlebt. Deshalb tranken auch die Kinder Bier.  Im 17. Jahrhundert war 60 Prozent der gesamten Nahrungsmittelaufnahme Bier, nahrhaft war es ja auch. Seit 1260 ist bei uns das Bier in der Familie.

 

So trinkt man Bier, ohne einen Kater zu bekommen

Von Christoph Fröhlich

Daher stammt auch das Reinheitsgebot, wie man weiß.

Das erste Lebensmitteschutzgesetz, das heute noch gilt! Das hatte verschiedene Gründe. Man wollte das wichtige Lebensmittel preiswert halten, wie auch verhindern, dass der als Grundnahrungsmittel wichtige Weizen ins Bier gelangt, und vor allem vor giftigen Pflanzen schützen, die oft reinversetzt wurden.

Moment, aber im Weißbier ist doch Weizen?

Ja, das ist eine spannende Geschichte. Die Produktion war verboten, aber der Kurfürst Maximilian hat ein altes bestehendes Recht aus Niederbayern als 17-Jähriger gekauft und konnte es deshalb herstellen. Der hat erkannt, dass er darüber in diesem Land, das ja absolut keine Rohstoffe hat, zu was kommt. Der muss ein kommerzielles Genie gewesen sein, ein früher Vertreter des Merkantilismus, der hat eine ganze Kette an Weißbierbrauereien eröffnet. Nachdem das seine private Idee war, ging das nicht an den Staat und hat eine eigene Kasse angelegt. Die war zweckbestimmt zum Erhalt des katholischen Glaubens und dem Erhalt der Herrschaft Bayerns durch das Haus Wittelsbach. Mit dem Geld hat er den Kaiser im 30-Jährigen Krieg finanziert. 24 Millionen Gulden hat er denen geliehen!

Das heißt, ohne Weißbier wären die Bayern heute Protestanten.

So ist es! Weiß man natürlich nicht, aber es könnte so sein.

Vor vier Jahren bemerkte Angela Merkel in einer Wahlkampfrede, dass die Deutschen sich über die Bayern wundern würden: wirtschaftlich erfolgreich, obwohl sie schon am Nachmittag beim Bier sitzen. Wie erklären Sie der Kanzlerin dieses bayerische Paradoxon?

Was für ein Paradoxon? Wir sind in dem Aspekt eben doch richtige Südländern, wir gehen mit allem relaxter um. Und nur weil wir im Biergarten sitzen, heißt das nicht, dass wir da nichts weiterbringen. Offenbar ja sogar mehr, als die Leute, in anderen Regionen, in ihren stickigen Sitzungssälen. Was meinen Sie, wie viele politische Entscheidungen beim Bier gefällt wurden – und das waren nicht die schlechtesten.

Mehr zum Thema Bayern lesen Sie im aktuellen stern:

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Le retour du musical !

Drei Stunden in einem musikalischen Paradies

Hofbräufahrt zum Ludwig-Musical nach Füssen – Der Mythos des bayerischen Märchenkönigs wird auf der Bühne lebendig – Beifallsstürme nach einer grandiosen Aufführung

Gefeiertes Ensemble beim Schlussapplaus: Suzan Zeichner (Sybille Meilhaus), Alexander Kerbst (Dr. Gudden), Matthias Stockinger (König Ludwig II.), Anna Hofbauer (Kaiserin Elisabeth) und Jakob Tiedtke (Prinz Ludwig).Foto: Sigfried Baumann

Zitieren wir König Ludwig II. von Bayern: „Es ist notwendig, sich Paradiese zu schaffen, poetische Zufluchtsorte, wo man vorübergehend die schauderhafte Zeit, in der wir leben, vergessen kann.“ Das Erschreckende daran ist, dass dieses Zitat auch in der heutigen Zeit Gültigkeit hat. In Füssen, in Ludwigs Festspielhaus, an den Ufern des Forggensees gibt es noch bis 28. August einen solch poetischen Zufluchtsort. Nachdem das Erfolgsmusical Ludwig2 im vergangenen Jahr an seinen angestammten Platz zurückkehrte, entschloss sich der Initiator und Regisseur Benjamin Sahler auch in diesem Jahr, in der Hauptferienzeit im August, Ludwig an seinem angestammten Platz wieder lebendig werden zu lassen. Und nachdem unsere Zeitung das Musical Ludwig2 nach seiner Premiere 2005 mehrfach im Rahmen von Leserreisen besucht hatte, war die Neugierde natürlich da, wie würde Ludwig in der Neuinszenierung der Stuttgarter Big Dimension GmbH daher kommen. Den Musicalbesuch hatten wir im Rahmen unserer beliebten Hofbräu-Fahrten am letzten Dienstag angeboten. Binnen von nur drei Tagen waren die 75 Plätze komplett ausgebucht. Der Märchenkönig elektrisiert also auch die Schwaben. Man kann nicht so genau erklären, was die Faszination dieses Musicals ausmacht. Ist es der Schauplatz, an dem gespielt wird? Handlung und Spielort verschmelzen hier zu einer Einheit. Denn wer nach der Aufführung hinaustritt, blickt hinüber zu Schloss Neuschwanstein. Eben noch Musical-Fiktion, jetzt erlebte Realität. Oder ist es die wunderbar eingängige Musik von Konstantin Wecker und Christopher Franke, arrangiert von Nic Raine, welche die Besucher nicht mehr loslässt. Wie sagte doch eine Leserin: „Die Melodie der Arie ,Geliebte Berge‘, gleichsam auch eine Art Titelmusik, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich glaube, ich summe sie heute Nacht noch im Bett.“ Oder sind es die berührenden Texte von Rolf Rettberg, die einen selbst ein wenig träumen lassen, so wie auch Ludwig seinen Träumen nachhing. Vor allem aber war es das großartige Ensemble, das sich die nicht enden wollenden Begeisterungsstürme am Ende der Aufführung wahrlich verdient hatte. Und so darf man die Kritik in der großen Süddeutschen Zeitung als keineswegs übertrieben ansehen. „Dass noch während sich der Vorhang senkt, die Menschen aufspringen, klatschen und jubeln, dass sich die Besucher in den Armen liegen mit Tränen in den Augen, daran kann man etwas Spezielles erkennen: Die Ludwig-Euphorie.“ Jubelrufe, minutenlanger Applaus, stehende Ovationen, seine Majestät König Ludwig II. (Matthias Stockinger) und seine Mitstreiter nehmen die Begeisterung mit großer Dankbarkeit an. Stockingers Interpretation des Märchenkönigs geradezu entwaffnend, seine Arie „Kalte Sterne“ einfach sensationell. Und keiner aus dem Ensemble fällt ab. Kevin Tarte besticht durch einen einzigen Auftritt als Schattenmann mit der Arie „Schatten auf des Königs Palästen“. Ohne Fehl und Tadel Anna Hofbauer als Kaiserin Elisabeth.Und der junge Jakob Tiedtke als Prinz Ludwig weist den großen König Ludwig ein ums andere Mal auf den richtigen Weg. Ludwig2 ein Erlebnis voller Emotionen, etwas fürs Herz und die Seele. Große Hochachtung vor Benjamin Sahler, der es durch einen Kraftakt geschafft hat, dem Publikum seinen Ludwig zumindest auf der Bühne wieder zurückzugeben. Jetzt schon im zweiten Jahr. Wie heißt es in dem finalen Titel: „Unser König er lebt und der führt uns die Hand, wir bewahren dem König die Treue, bau‘n ein Schloss wie ein Traum und Ludwigs Märchen wird mit uns wahr.“ Hoffentlich an gleicher Stelle auch im nächsten Jahr.

Source : https://www.esslinger-zeitung.de/startseite_artikel,-drei-stunden-in-einem-musikalischen-paradies-_arid,2143347.html

Hommage à Louis II à Murnau

Serenade am Ludwig-Denkmal – Heimatabend des Trachtenvereines

Märchenkönig hat Geburtstag

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Die Erinnerung an Ludwig II. wird in Murnau am Staffelsee groß geschrieben. Die Fahne mit dem Portrait des Märchenkönigs wird beim Trachtenverein in Ehren gehalten.

Murnau – Wichtige Geschäfte sind der Grund gewesen, dass Ludwig II. immer wieder in Murnau Station machte.

In der Wirtsstube des Posthalters Augustin Bayerlacher (Hotel Post, Obermarkt) verhandelte der Monarch mit Ludwig Brey über den Kauf der Staffelsee-Insel Wörth. Eine Kopie des französischen Schlosses Versailles wollte König Ludwig dort bauen lassen. So heißt es in der offiziellen Chronik. Was kaum jemand weiß: Der sagenumwobene Regent war eigentlich zum Kegeln an den Staffelsee gekommen…

Die Eltern von Ludwig, König Maximilian II. und Königin Marie, sind gerne gesehene Gäste auf der Insel Wörth gewesen. Anlässlich ihrer Hochzeitstage picknickte das Paar jedes Jahr unter einer Linde, die tausend Jahre zuvor der Wanderprediger Bonifatius gepflanzt hatte. Die Wörth gehörte zur Zeit des Königreichs Bayern Ludwig Brey. Er war Besitzer der Löwenbrauerei in München – und mochte auch nach langen Verhandlungen seine Insel nicht an Ludwig II. verkaufen.

Immer wenn die Gespräche zu scheitern drohten, schlich der König durch den Hinterausgang der Posthalterei. Beim Peterskircherl kletterte er in seine Kutsche und ließ sich heimlich nach Hechendorf bringen. Dort warteten schon die Wirtsleute Miehle auf ihren blaublütigen Besucher. Neben dem Gasthaus „Hoagarten“ gab es nämlich eine Kegelbahn. Seinen Verhandlungsfrust hatte sich dann Ludwig mit ein paar Schub in die Vollen abreagiert.

Eine Anekdote wird in diesem Zusammenhang erzählt: In dem Zimmer, in dem der Märchenkönig während seiner Aufenthalte im „Hoagarten“ schlief, hing über dem Bett ein Portrait von Prinzessin Elisabeth. Wie alle Königtreuen wissen, war Ludwig in das Mädchen verliebt. Als Elisabeth schließlich den österreichischen Kaiser Franz heiratete und als „Sisi“ berühmt wurde, nahm Frau Miehle das Bild ab und versteckte es. Ludwig sollte sich aus Liebeskummer nicht ärgern oder gar in Depressionen verfallen. Als es wieder einmal so weit war und der König nach Hechendorf kam, führte ihn sein erster Weg in das Zimmer. Nach wenigen Minuten stürmte er mit hochrotem Kopf zurück in die Stube und rief: „Wo ist Sisi?!“ Die Miehles mussten das Foto wieder an seinen angestammten Platz hängen – und Ludwig strahlte über das ganze Gesicht.

Nach dem Tod Ludwig II. ließ Posthalter Augustin Bayerlacher auf sein Grundstück an der Kohlgruberstraße ein Denkmal für den König stellen. Es war das erste Ludwig-Denkmal in Bayern überhaupt. Zum Einweihungsfest am 5. August 1894 kamen 18 000 Menschen nach Murnau, und die örtliche Zeitung jubelte: „Die Murnauer haben sich der Aufgabe in würdigster Weise gewachsen gezeigt.“

Die Murnauer verehren „ihren“ Ludwig II. noch heute. Jedes Jahr zum Geburtstag versammeln sich die Mitglieder des Gebirgstrachtenerhaltungsvereines am Denkmal zur abendlichen Ludwig-Serenade. Dieses Geburtstagsständchen für den Märchenkönig gibt es heuer am Samstag, 26. August, um 19.30 Uhr. Im Anschluss daran geht es in das Kultur- und Tagungszentrum zum traditionellen Heimatabend.

Von Günter Bitala

Source : https://www.kreisbote.de/lokales/weilheim-schongau/murnau-serenade-ludwig-denkmal-8603165.html