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His life his work

Monthly Archives: December 2016

Quand Louis II voyageait en Franconie…

MAINFRANKEN

Als Ludwig II. durch Franken fuhr

Das Foto zeigt den königlichen Hofzug, den Ludwig II. von seinem Vater Maximilian II. geerbt hatte. Am 10. November 1866 fuhr Ludwig in diesem Zug, gezogen von der Lokomotive „Tristan“, von München aus nach Franken.

Erschöpft zog sich Bayerns König Ludwig II. in die Allgäuer Berge zurück. Gerade hatte der junge Monarch seine erste Dienstreise beendet. Es sollte seine einzige bleiben.

Vor 150 Jahren besuchte der 21-jährige Wittelsbacher den nördlichen Teil seines Königreichs. Gut vier Wochen lang war er unterwegs. Auf Schloss Hohenschwangau verfasste er nach seiner Rückkehr am 17. Dezember 1866 eine königliche Proklamation im typisch feierlich-majestätischen Stil: „Bei der jüngst zurückgelegten Rundreise war Mein Augenmerk zunächst den schwergeprüften fränkischen Provinzen zugewendet, welche durch die Leiden, die sie erduldet, durch die Opfer, die sie gebracht, wie durch die Treue, die sie unerschütterlich bewahrt, auf Meine landesväterliche Fürsorge das nächste Anrecht sich erworben haben.“ Ursache der „Leiden“ war der sogenannte Deutsche Bruderkrieg zwischen Österreich und Preußen im Juni und Juli 1866.

Reise von ungeheurer politischer Bedeutung

Die Ludwig-Forscher Erich Adami aus Kleinwallstadt bei Aschaffenburg und Alfons Schweiggert aus München haben in ihrem Buch „König Ludwig II. – Seine triumphale Reise durch Franken“ (Husum-Verlag) den Ablauf erstmals anhand von vielen Quellen, darunter Presseartikel, umfassend recherchiert. „Gerade dieser Reise kam eine ungeheure politische Bedeutung zu“, schreiben die Autoren. Zudem sei der König auf dieser Reise seinen Untertanen so nahe wie niemals sonst in seinem ganzen Leben gekommen. Etwa in Bayreuth, der ersten Station der Reise.

Dort jubelten ihm die Menschen am 10. November zu. Es dämmerte bereits, als der Zug die mit Fackeln illuminierte und festlich geschmückte Stadt erreichte. Die Einwohner empfingen den König – trotz offiziellen Verbots – mit „Hoch“-Rufen. Drei Tage lang hielt sich Ludwig in Bayreuth auf, lud zu Empfängen, tanzte auf einem Ball, verteilte Orden, besuchte das Markgräfliche Opernhaus.

Unfassbares in Münchberg

Etliche Franken waren aber auch enttäuscht, weil der königliche Hofzug nicht anhielt oder der König nur kurze Zeit am Bahnhof verweilte. In Münchberg bei Hof griff Bürgermeister Georg Stoeckel sogar zu drastischen Mitteln, um einen nicht eingeplanten Halt in seiner Gemeinde zu erzwingen.

Er ließ den Ort und den Bahnhof festlich schmücken. Dann forderte er alle Münchberger auf, am Bahnhof einzufinden. „Kurz bevor der Zug einrollt, geschieht das Unfassbare“, schreiben die Autoren Adami und Schweiggert. „Der Bürgermeister betritt die Gleise am Ende des Bahnsteigs und legt sich trotz des unwirtlichen Novemberwetters zu allem entschlossen auf die Schienen, um den einfahrenden Königszug, der in Richtung Hof unterwegs ist, zum Halt zu zwingen.“ Der Zug legte eine Vollbremsung hin. Der überraschte König reagierte nachsichtig und spendierte 1000 Gulden für die Armen und Kranken der Stadt.

Mit hohem Tempo durch Schweinfurt

Gedenkblatt zur Erinnerung an die Rundreise des Königs im November und Dezember vor 150 Jahren. Foto: Archiv Erich Adami

In Bamberg brachte der König das straffe Besuchsprogramm durcheinander und blieb einen Tag länger. In Schweinfurt stieg er am Stadtbahnhof aus dem Zug, aber nur, um sich in die Kutsche zu setzen, die mit ihm in hohem Tempo in Richtung Bad Kissingen davonfuhr. Kinder, die eigentlich Blumensträuße überreichen sollten, begannen zu weinen. Von Bad Kissingen aus schickte der König noch am gleichen Tag ein Telegramm nach Schweinfurt, in dem er sein Bedauern über „die karg zugemessene Zeit“ ausdrückte. Es erschien am 19. November auf der ersten Seite des „Schweinfurter Tagblatt“.

Weitere Stationen waren Hammelburg, Gemünden, Lohr, Aschaffenburg mit einem Abstecher nach Darmstadt. Auch Würzburg, von wo aus er die Gefechtsplätze bei Helmstadt, Uettingen und Roßbrunn besichtigte, sowie Kitzingen standen auf dem Besuchsprogramm, bevor der König über Fürth nach Nürnberg weiterfuhr.

Ludwig II. als „Stern der Hoffnung“

Meist begeisterte Ludwig die Franken und wird in den ihm gewidmeten Gedichten gerühmt, wie in Kitzingen: als „Stern der Hoffnung“ oder als „heilender, guter Engel“. Die „Neue Würzburger Zeitung“ wiederum nahm von der Frankenreise wenig Notiz und verschwieg seine Ankunft in der Stadt. Zur Ankunft in der Domstadt erschienen indes viele Menschen – trotz Regen und Kälte – und jubelten dem jungen König zu. Einen Teil seines Besuchs musste er jedoch im Bett in der Residenz verbringen. Er war erkältet.

Ganz freiwillig hatte sich Ludwig II. nicht zu dieser Reise entschlossen. Erst auf Empfehlung seiner Minister und Berater war er bereit dazu, die vom Krieg am meisten betroffenen Orte zu besuchen. Nicht Österreich und seine Verbündeten hatten in der sechs Wochen dauernden Auseinandersetzung den Sieg davongetragen, sondern Preußen. Die beiden Kontrahenten waren zwar seit 1815 nach dem Wiener Kongress im Deutschen Bund vereint. Aber es gab immer wieder Spannungen über die Vorherrschaft, die Preußen für sich beanspruchte.

Die letzten Schüsse fielen in Würzburg

Auslöser für den Bruderkrieg waren Uneinigkeiten über die gemeinsame Verwaltung der Herzogtümer Schleswig und Holstein nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864. Die Hauptentscheidung fiel in der Schlacht von Königgrätz in Böhmen am 3. Juli 1866. Weiter westlich in den fränkischen Provinzen ging das Kämpfen auf dem „Mainfeldzug“ heftig weiter beziehungsweise begann dort erst. Endgültig zu Ende war der Deutsche Krieg am 27. Juli 1866. Die letzten Schüsse fielen in Würzburg, Ziel war die Festung Marienberg. Stunden zuvor, am 25. und 26. Juli, standen sich die preußischen und österreichischen Verbündeten noch bei Roßbrunn, Uettingen und Hettstadt in größeren Gefechten gegenüber. Zu dieser Zeit wurde bereits der Vorfrieden von Nikolsburg (heute Mikulov) geschlossen. Der Prager Frieden vom 23. August setzte dann endgültig den Schlusspunkt unter die Verhandlungen. Österreich erkannte die Auflösung des Deutschen Bundes an.

„Gottlob, dass Frieden ist!“

Bayern als Verbündeter Österreichs musste entgegen den ersten und weit höheren Forderungen von Ludwigs preußischen Onkel in Berlin, Hohenzollernkönig Wilhelm I., dann doch kaum Gebiete abtreten, aber 30 Millionen Gulden Reparationen zahlen – und ein geheimes Verteidigungs- und Angriffsbündnis mit Preußen abschließen. „Gottlob, dass Friede ist!“, soll Ludwig II. gesagt haben, als er den Friedensvertrag am 22. August 1866 unterzeichnet hatte.

Ludwig II. wollte diesen Krieg nicht, sondern neutral bleiben. Doch die Österreicher bestanden auf den Bündnispflichten. So gerieten die fränkischen Provinzen zwischen die Fronten, während die altbayerischen Gebiete fast außen vor blieben. Durch die finanziellen Belastungen aufgrund von Einquartierung und Verpflegung der Soldaten waren die Franken schwer belastet worden. Hinzu kamen Kriegsschäden, Plünderungen, die Versorgung der Verwundeten, Ernteausfälle.

Erschütternde Katastrophe

Mit dem Besuch aus München sollte die Volksseele gestreichelt und womöglich aufkommende Abspaltungsgerüchte im Keim erstickt werden. Ab 1803 kamen die Franken zu Bayern. Es war keine Liebeshochzeit. Und nun musste der junge Monarch versuchen, die Zuneigung seines Volkes zu stabilisieren beziehungsweise – so steht es in der Proklamation – „die Wechselbande zwischen Fürst und Volk, welche durch eine erschütternde Katastrophe unlängst bedroht erschienen, von Neuem dauernd zu befestigen“.

Ludwig II. gelang es, seine neubayerischen Untertanen für sich einzunehmen. „Der Zweck, den Ich bei jener Fahrt Mir vorgenommen hatte, ist erreicht.“

Source : http://www.mainpost.de/ueberregional/bayern/Die-Franken-Dienstreisen-Franken-Geschichte-Bayern-Koeniginnen-und-Koenige;art16683,9449399