Arrow
Arrow
ArrowArrow
Slider
Sa vie son oeuvre

Triathlon royal

Christiane Pötsch-Ritter

Königlicher Triathlon am Chiemsee

Radeln, Rudern und Spazierengehen auf den Spuren Ludwig II.

Mit einem Ruderboot wird Herrenchiemsee mit dem prächtigen Schloss angesteuert.

Mit einem Ruderboot wird Herrenchiemsee mit dem prächtigen Schloss angesteuert.

Pötsch-Ritter

Prien sz Zu den Eigenarten Ludwigs II. von Bayern gehörte, dass er gerne im Dunkeln ausfuhr, während sein Volk schlief. Auch die Reisen von seiner Münchener Residenz zum Schloss Herrenchiemsee hat der menschenscheue Monarch vorzugsweise bei Nacht unternommen. Hofkoch Theodor Hirneis servierte ihm derweil ein schönes Diner. Für den königlichen Sonderzug war in Rimsting am Chiemsee eigens eine Haltestelle mit „persönlichem Wartesaal-Pavillon“ eingerichtet worden. Hier pflegten seine Majestät noch eine heiße Schokolade zu trinken, bevor es sechsspännig mit der Kutsche nach Urfahrn weiterging. Am Seeufer wartete da schon der Fährmann, um den König zum Zwecke der Baustellenbesichtigung auf die Herreninsel hinüber zu rudern. Über sechs Jahre hinweg ging das so, und als Ludwig am 13. Juni 1886 unter nie geklärten Umständen am Starnberger See verstarb, war Herrenchiemsee noch längst nicht vollendet. „Schloß Chiemsee ist das Schmerzenskind seiner Schlösser!“, schrieb Theodor Hierneis, der immer ganz nahe dran war am Geschehen, in seinen Erinnerungen. „Es ist aber auch das gewaltigste, prunkvollste, alle Erwartungen übertreffende seiner Schöpfungen.“

Stille Uferlandschaft

Für das Tourismusmanagement der Region Chiemsee-Alpenland jedenfalls hätte die Sache besser nicht laufen können. Der neue Renner im umfangreichen Portfolio mit Aktivitäten auf Ludwigs Spuren ist der „Königliche Triathlon“, bestehend aus leichtem Radeln, Rudern und einem Inselspaziergang. Das vergnügliche Unternehmen startet im alten Rimstinger Bahnhof unter der mächtigen Krone der „Königslinde“, die das dankbare Volk dem Monarchen in Erinnerung an seine Besuche während des Schlossbaus pflanzte. Dabei war seine Majestät, wie von Kammerdiener Lorenz Mayr überliefert, „für die hiesige Gegend sowohl als für den See nicht eingenommen und hatten für beide keine Vorliebe“.

Das mag verstehen, wer will. Denn kaum etwas ist so einnehmend wie diese stille Uferlandschaft. Man muss nur einmal die paar Kilometer bis zum Schafwaschener Winkel radeln, besonders zur Irisblüte. Rohrammer und Schilfrohrsänger, Wasserralle und Zwergdommel können hier ungestört, weil gut getarnt im dichten Röhricht brüten. Chiemseeführer Konrad Hollerieth ist darauf bedacht, dass einem kein Detail entgeht in diesem in Jahrtausenden von der Natur geschaffenen Gesamtkunstwerk. Wohl wissend, dass es in nicht allzu ferner Zeit die Bucht nicht mehr geben wird. Binnen 200Jahren, sagt er, wird das angeschwemmte Geröll aus dem Flüsschen Prien den Schafwaschener Winkel verlanden lassen.

Ob dann das sanfte Ufer in Urfahrn noch existiert, wo nun das zwölfsitzige Ruderboot „Auguste“ für die nächste Triathlon-Etappe bereit liegt, ist die Frage. Die Herreninsel ist kaum einen Kilometer entfernt, die Seekapelle Heilig Kreuz zwischen den alten Buchen schon nach wenigen Schlägen gut zu erkennen. Es bleibt genug Zeit, sich auf der Fahrt an dem wechselnden Licht zu erfreuen, das See, Himmel und Berge dramatisch in Szene setzt. Schon zu Ludwigs Zeiten hat dies Künstler aus aller Welt bewogen, sich hier niederzulassen. Der Kolonie der Chiemseemaler ist in der Gemäldegalerie im einstigen Chorherrenstift ein ganzer Trakt gewidmet.

Dort im vormals ältesten Kloster Bayerns bezog Ludwig während der Bauzeit Quartier. Von seinem wohnlichen Appartement aus konnte er zum Schloss hinüberblicken. Im dazugehörigen Speisezimmer haben sich 1948 übrigens die „Väter des Grundgesetzes“ versammelt, um in der Abgeschiedenheit der Herreninsel die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten. Auch davon zeugt eine sehenswerte Ausstellung.

Inspiriert von Versailles

Die Abgeschiedenheit war das Einzige, das auch Ludwig an diesem Ort gefallen hat, abgesehen von seiner Größe. Füssen oder Oberammergau wären ihm für sein ambitioniertes Vorhaben lieber gewesen, erklärt Marcus Spangenberg, Kunsthistoriker und König-Ludwig-Biograf. Aber für die riesigen Dimensionen des prunkvollen Schlosses, das inspiriert war von Versailles und als „Tempel des Ruhms“ für Ludwig XIV. gedacht, war nur hier genug Platz. Ganz nebenbei hat Ludwig die Insel vor einem württembergischen Holzunternehmer gerettet, der drauf und dran war, den schönen alten Baumbestand zu Brennholz zu verhackstücken.

Marcus Spangenberg ist ein hervorragender Kenner des Königs, seiner Kunst und seiner Kümmernisse. Seine ungemein erhellende Führung „Sonnenkönig und Schneerahmtörtchen“ gibt es exklusiv außerhalb der Öffnungszeiten mit anschließendem Zwei-Gang-Menü in der Schlosswirtschaft. Dazu liest er aus „König Ludwig II. speist“, besagten Erinnerungen des Hofkochs Theodor Hierneis, der wie kein anderer die Kunst beherrschte, alle Speisen „recht flockig und weich“ zuzubereiten – mit Rücksicht auf „die sehr schlechten Zähne des Königs“.

Das ausführliche Programm zur Erinnerung an König Ludwig II. im Internet unterwww.chiemsee-alpenland.de

Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Chiemsee-Alpenland.

Source : http://www.schwaebische.de/panorama/aus-aller-welt_artikel,-Koeniglicher-Triathlon-am-Chiemsee-_arid,10507326.html